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Zur FarLenlkhrc,
und folglich auch auf dem Papier verlasse. Auf dem Rahmen >wird man sein Verhältniß zu den übrigen Farben noch immer !erblicken, neben dem Rahmen aber wird der vom Papier sichherunterbewegende Theil wie in der Luft zu schweben scheinen.Denn die hinter ihm liegende Finsterniß ist für ihn eben sogut eine Tafel, als es der Rahmen für das auf ihn geworfeneund auf ihm sich verändernde objective Bild ist. Daß dem alsosey, kann man daraus auf's genaueste erkennen, daß der herab-schwebende isolirte Farbenstrcif immer mit seiner gleichen Farbeim halben Spectrum an der Seite Schritt hält, mit ihr hori-zontal steht, mit ihr sich herabzieht, und endlich, wenn jeneverschwunden ist, auch verschwindet. Wir werden dieser Bor-richtung und Erscheinung eine Figur auf unserer zwölften Tafelwidmen, und so wird demjenigen, der nach uns experimentiren,nach uns die Sache genau betrachten und überlegen will, wohlkein Zweifel übrig bleiben, daß dasjenige, was wir behaupten,das Wahre sey.
150.
Sind wir so weit gelangt, so werden wir nun auch die-jenigen Versuche einzusehen und einzuordnen wissen, welcheNewton seinem siebenten Versuche, ohne ihnen jedoch eineZahl zu geben, hinzufügt. Doch wollen wir selbige sorgfältigbearbeiten, und sie zu Bequemlichkeit künftigen Allegircns mitNummern versehen.
151.
Man erinnere sich vor allen Dingen jenes fünften Ver-suches, bei welchem zwei über's Kreuz gehaltene Prismen demSpectrum einen Bückling abzwangen; wodurch die diverse Re-srangibilität der verschiedenen Strahlen erwiesen werden sollte,wodurch aber nach uns bloß ein allgemeines Naturgesetz, dieWirkung in der Diagonale bei zwei gleichen, im rechten Winkelanregenden Kräften, ausgesprochen wird.
152.
Gedachten Versuch können wir nun gleichfalls durch Ver-bindung des Subjectiven mit dem Objectiven.anstellen, undgeben folgende Vorrichtung dazu an, welche sowohl dieses alsdie nachstehenden Experimente erleichtert. Man werfe zuerstdurch ein vertical stehendes Prisma das verlängerte Sonnen-bild seitwärts auf die Tafel, so daß die Farben horizontal nebeneinander zu stehen kommen; man halte nunmehr das zweitePrisma horizontal wie gewöhnlich vor die Augen; so wird,indem das rothe Ende des Bildes an seinem Platze verharrt,die violette Spitze ihren Ort auf der Tafel scheinbar verlassen,und sich in der Diagonale Herunterneigen. Also vorbereitet,schreite man zu den zwei von Newton vorgeschlagenen Ver-suchen.
153.
VIIJenem von uns angegebenen vertikalen Prismafüge man ein anderes, gleichfalls verticales, hinzu, dergestaltdaß zwei längliche farbige Bilder in Einer Reihe liegen. Diesebeiden zusammen betrachte man nun abermals durch ein Hori-zontalesPrisma ; so werden sie sich beide in derDiagonale neigen,dergestalt daß das rothe Ende fest steht und gleichsam die Achseist, worum sich das Bild herumdreht; wodurch aber weiternichts ausgesprochen wird, als was wir schon wissen.
154.
VII ^ Aber eine Vermannichfaltigung des Versuches istdcmungeachtet noch angenehm. Man stelle die beiden vertikalen
Prismen dergestalt, daß die Bilder über einander fallen, jedochim umgekehrten Sinne, so daß das gelbrothe des einen aufdas violette des andern, und umgekehrt, falle; man betrachtenun durch das horizontale Prisma diese beiden für's nackteAuge sich deckenden Bilder, und sie werden sich für das be-waffnete nunmehr kreuzweise über einander neigen, weil jedesin seinem Sinn diagonal bewegt wird. Auch dieses ist eigentlichnur ein curioser Versuch: denn es bleibt unter einer wenigverschiedenen Bedingung immer dasselbe, was wir gewahrwerden. Mit den folgenden beiden verhält es sich eben so.
155.
VII ° Man lasse auf jenen weißen Papierstrcifen (148)den rothen und violetten Theil der beiden prismatischen far-bigen Bilder auf einander fallen; sie werden sich vermischenund eine Purpurfarbe hervorbringen. Nimmt man nunmehrein Prisma vor die Augen, betrachtet diesen Streifen, so wirddas Violette sich von dem Gelbrothen ablösen, heruntersteigen,die Purpurfarbe verschwinden, das Gelbrothe aber stehen zubleiben scheinen. Es ist dieses daffelbige, was wir oben (149)neben einander gesehen haben, und für uns kein Beweis fürdie diverse Refraction, sondern nur für die Determiuabilitätdes Farbenbildes.
156.
VII < Man stelle zwei kleine runde Papierscheiben in ge-ringer Entfernung neben einander, und werfe den gelbrotheuTheil des Spcctrums durch ein Prisma auf die eine Scheibe, denblaurothen auf die andere, der Grund dahinter sey dunkel. Dieseso erleuchteten Scheiben betrachte man durch ein Prisma, welchesman dergestalt hält, daß die Refraction sich gegen den rothenCirkel bewegt; je weiter man sich entfernt, je näher rückt dasViolette zum Rothen hin, trifft endlich mit ihm zusammen, undgeht sogar darüber hinaus. Auch dieses Phänomen wird jemand,der mit dem bisher beschriebenen Apparat umzugehen weiß,leicht hervorbringen und abzuleiten verstehen.
Alle diese dem siebenten Versuche angehängten Versuchesind, so wie der siebente selbst, nur Variationen jenes ob- undsubjectiven Hauptversuches (E. 350 — 356). Denn es ist ganzeinerlei, ob ich das objectiv an die Wand geworfene prisma-tische Bild, im ganzen oder theilweise, in sich selbst zusammen-ziehe, oder ob ich ihm einen Bückling in der Diagonale ab-zwinge; es ist ganz einerlei, ob ich dieß mit einem oder mitmehrern prismatischen objectiven Bildern thue, ob ich es mitden ganzen Bildern öder mit den Theilen vornehme, ob ich sieneben einander, über einander, verschränkt oder sich theilweisedeckend richte und schiebe: immer bleibt das Phänomen einsund dasselbe, und spricht nichts weiter aus, als daß ich dasin Einem Sinn, z. B. aufwärts, hervorgebrachte objectiveBild durch subjective, im entgegengesetzten Sinn, z. B. herab-wärts, angewendete Refraction, zusammenziehen, aufhebenund im Gegensatze färben kann.
157.
Man sieht also hieraus, wie sich eigentlich die Theile desobjectiv entstandenen Farbenbildes zu subjectiven Versuchenkeineswegs gebrauchen lassen, weil in solchem Falle sowohl dieganzen Erscheinungen als die Theile derselben verändert werden,und nicht einen Augenblick dieselbigen bleiben. Was bei solchenVersuchen für eine Complication obwalte, wollen wir durch