Polemischer Theil.
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ein Beispiel anzeigen, und etwas Obengeäußertes dadurchweiter ausführen und völlig deutlich machen.
158.
Wenn man jenen Papierstreisen in der dunkeln Kammermit dem rothen Theile des Bildes erleuchtet und ihn alsdanndurch ein zweites Prisma in ziemlicher Nähe betrachtet, so ver-läßt die Farbe das Papier nicht, vielmehr wird sie an demobern Rande sehr viel lebhafter. Woher entspringt aber dieselebhaftere Farbe? Bloß daher, weil der Streif nunmehrals ein Helles rothes Bild wirkt, welches durch die subjectiveBrechung oben einen gleichnamigen Rand gewinnt, und also er-höht an Farbe erscheint. Ganz anders verhält stch's, wenn derStreif mit dem violetten Theile des Bildes erleuchtet wird.Durch die subjective Wirkung zieht sich zwar die violette Farbevon dem Streifen weg (148 f.), aber die Heilung bleibt ihmeiuigermaaßen. Dadurch erscheint er in der dunkeln Kammerwie ein weißer Streif auf schwarzem Grunde, und färbt sichnach dem bekannten Gesetz, indessen der herabgesunkene violetteSchemen dem Auge gleichfalls ganz deutlich vorschwebt. Hierist die Natur abermals durchaus consequent, und wer unserndidaktischen und polemischen Darstellungen gefolgt ist, wirdhieran nicht wenig Vergnügen finden. Ein gleiches bemerktman bei dem Versuche VII <
159.
Eben so verhält es sich in dem oben beschriebenen Falle(144), da wir die einzelnen über einander erscheinenden far-bigen Bilder subjectiv herabziehen. Die farbigen Schemensind es nur, die den Platz verlassen, aber die Heilung, die sieauf der weißen Tafel erregt haben, kann nicht aufgehoben wer-den. Diese farblosen hellen zurückbleibenden Bilder werdennunmehr nach den bekannten subjectiveu Gesetzen gefärbt undbringen dem, der mit dieser Erscheinung nicht bekannt ist, eineganz besondere Confusion in das Phänomen.
160.
Auf das Vorhergehende, vorzüglich aber auf unsern 135.Paragraph bezieht sich ein Versuch, den wir nachbringen. Manhabe im Fensterladen, horizontal nahe neben einander, zweikleine runde Oefsnungen. Vor die eine schiebe man ein blaues,vor die andere ein gelbrothes Glas, wodurch die Sonne herein-scheint. Man hat also hier wie dort (135) zwei verschieden-farbige Bilder neben einander. Nun fasse man sie mit einemPrisma auf und werfe sie auf eine weiße Tafel. Hier werdensie nicht ungleich in die Höhe gerückt, sondern sie bleiben untenauf Einer Linie; aber, genau besehen, sind es zwei prisma-tische Bilder, welche unter dem Einfluß der verschiedenen far-bigen Gläser stehen, und also in sofern verändert sind, wie esnach der Lehre der scheinbaren Mischung und Mittheilung noth-wendig ist.
161.
Das eine durch das gelbe Glas fallende Spcctrum hatseinen obern violetten Schweif fast gänzlich eingebüßt; der un-tere-gelbrothe Saum hingegen erscheint mit verdoppelter Lebhaf-tigkeit; das Gelbe der Mitte erhöht sich auch zu einem Gelb-rotheu und der obere blaue Saum wird in einen grünlichenverwandelt. Dagegen behält jenes durch das blaue Glas gehendeSpectrum seinen violetten Schweif völlig bei; das Blaue istdeutlich und lebhaft; das Grüne zieht sich herunter, und stattdes Gelbrothen erscheint eine Art Purpur.
162.
Stellt man die gedachten beiden Versuche entweder nebeneinander oder doch unmittelbar nach einander an, so überzeugtman sich, wie unrecht Newton gehandelt habe, mit den beweg-lichen physischen Farben und den scharten chemischen ohne Unter-schied zu operiren, da sie doch ihrer verschiedenen Natur nachganz verschiedene Resultate hervorbringen müssen, wie wirwohl hier nicht weiter auseinanderzusetzen brauchen.
163.
Auch jenen objectiv-subjectiven Versuch (E. 350—354) mitden eben gedachten beiden verschiedenen prismatischen Farben-bildern vorzunehmen wird belehrend seyn. Man nehme wiedort das Prisma vor die Augen, betrachte die Spectra erstnahe, dann entferne man sich von ihnen nach und nach; siewerden sich beide, besonders das blaue, von oben herein zu«saminenzieheu, das eine endlich ganz gelbroth, das andereganz blau erscheinen, und indem mau sich weiter entfernt, um-gekehrt gefärbt werden.
164.
So möchte denn auch hier der Platz seyn, jener Vorrich-tung abermals zu gedenken, welche wir schon früher (E. 284)beschrieben haben. In einer Pappe sind mehrere Quadratefarbigen Glases angebracht; man erhellt sie durch das Sonnen-,auch nur durch das Tageslicht, und wir wollen hier genau an-zeigen, was gesehen wird, wenn man an ihnen den subjektivenVersuch macht, indem man sie durch's Prisma betrachtet. Wirthun es uin so mehr, als diese Vorrichtung künftig bei subjek-tiver Berrückung farbiger Bilder den ersten Platz einnehmen,und, mit einiger Veränderung und Zusätzen, beinahe allenübrigen Apparat entbehrlich machen wird.
165.
Zuvörderst messe man jene Quadrate, welche aus derPappe herausgeschnitten werden sollen, sehr genau ab undüberzeuge sich, daß sie von einerlei Größe sind. Man bringealsdann die farbigen Gläser dahinter, stelle sie gegen dengrauen Himmel und betrachte sie mit bloßem Auge. Das gelbeQuadrat, als das hellste, wird am größten erscheinen (E. 16);das grüne und blaue wird ihm nicht viel nachgeben, hingegendas gelbrothe und violette, als die dunkelsten, werden sehrviel kleiner erscheinen. Diese physiologische Wirkung der Far-ben, in sofern sie Heller oder dunkler sind, nur beiläufig zuEhren der großen Consequenz natürlicher Erscheinungen.
166.
Man nehme sodann ein Prisma vor die Augen und be-trachte diese neben einander gestellten Bilder. Da sie specificirtund chemisch fixirt sind, so werden sie nicht, wie jene des Spek-trums, verändert oder gar aufgehoben, sondern sie verharrenin ihrer Natur, und nur die begünstigende oder verkümmerndeWirkung der Ränder findet statt.
167.
Obgleich jeder diese leichte Borrichtung sich selbst anschaffenwird, ob wir schon dieser Phänomene öfters gedacht haben, sobeschreiben wir sie doch wegen eines besondern Umstand» hierkürzlich, aber genau. Am gelben Bilde sieht man deutlich denobern hochrothen Rand, der gelbe Saum verliert sich in dergelben Fläche; am untern Rande entsteht.ein Grün, doch siehtman das Blaue w wie ein mäßig Herausstrebendes Violettganz deutlich. Beim Grünen ist alles ungefähr dasselbige, nur