Hl.5eculum. VI. ?->p. Von dem i'nnerl. Zustand der Kirchen.
aus sehen könte,daß nichts ungebührliches zwischen ih-nen vorgegangen, b)
Sonst kan man beyläuffig mercken,daß damahls ei-nige Geistlichen, sonderlich, die hin und wieder geschicktwurden,den Gebrauch hatten,eine ehrbare Weibs-Per-son mit sich zu führen, welche weder ihr Ehe-Weib nochLoncubine war, und blos den Geistlichen an die Handgehen mnste. Der Mißbrauch aber, der sich alsofortdabey einschlich, wie oben bey erin-
nert worden, verursachte, daß man bald diesen gantzenGebrauch mißbilligte und abschaffte, c)
Überhaupt pflegten die christlichen Weibs-Bilder indiesem 8cculv lieber die ärgsten Martern und den Todzu leiden, als ihre Leiber mißbrauchen zu lassen. Manwird sich uoch aus dem vorhergehenden Capitel desExempels erinnern, der sich eine Mutter mit ihren Töch-tern lieber ins Wasser stürtzen, als sie verunehren las-sen wollen,» a m. 6)
Solche Keuschheit bewahreten sie auch im Ehestände,und sagten: wir halten uns an das Band einereintzigen Ebe, und wissen darinnen vsn keiner an-dern Begierde, als Bänder zu zeugen, e)
Daß viele aus Begierde zu einem reinen und heiligenLeben den ehrlosen Stand erwähleten , blieb noch inchristlicher FrerHcit, ohne vorgeschriebene Gesetze undandere Umstände. Denn ihr Urtheil darüber war die-ses : Man kan die Iungfraufchassc nicht befeh-len, sondern wünschen, was über unser Ver-mögen ist , das stehet nur in unserm Wunsche,nicht aber in unsern Brassten.
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Was ist von dem Verfall des Christenthumsin diesem 3ecu1o zu merckcn ?
Daß das inwendige Christenthum in vielen Stückenschon zu diesen Zeiten abgenommen, wird man bereitshin und wieder bemercket haben. Der Grund davonwar, daß man anfieng auf das äußerliche zu verfallen.Der Ceremonien wurden immer mehr, des rechtschaffe-nen Gottesdienstes im Geist und in der Wahrheit destoweniger.
Die unter den Lehrern entstehende vielfältige Zäncke-reyen führeten sie auf mancherley widerwärtige nnd ir-rige Meynungen. Der geistliche Stoltz hob an unterdein Deckmantel eines Amts-Eifers bey vielen zu erstar-ren, also, daß manche Vorsteher schon keine Ennnerun-igen mehr annehmen wolten, sondern lieber die Kirchevmvirreten.
LV8LKIV8 5 ) schreibet davon garnachdrücklich: Un-sre girren setzten die Richtschnur der Religionbeyseite, und fiengen an sich darauf zulegen, weram besten zancken körne. Sie studireren aufnickns anders, als Comroversien , Drohungen,Verkleinerung des andern, Haß undLeindschasst.6ie stritten aufs hesstigste um den Vorzug nach
lr Lvk!<I^I^V8 cpik. 62. c) Lkrikiinil». pri-
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I.
?lrt der Tyrannen, welche sich einer ungebührli-chen Herrschaffc anmasfen.
Wer kan rinn zweifeln, daß die Gemeine hierdurchgleichfalls schlimmer worden, indem sie also lernetenPartheyen zu halten, mehr auf Meynungen , alsrechtschaffene Gottseeligkeit zu sehen, andere zu ver-achten, zu ueiden und zu hassen , ja dabey end-lich gar in den Tag hinein zu leben, als ob kein GOttim Himmel wäre, um dessen Gnademan sich bemühenmüsse, g)
LVkXl^XlV8 K) klaget folgender mästen: Bey vie-len lag der Glauben zu Boden gestüryec, oderschliesst gleichsam. Ein jeder war bemühet, ferneigenes Vermögen zu vergrößern, und vergaß,was die Gläubigen entweder unrer den Apostelngethan hatten , oder was sie noch allezeit thunsolren; weil sie in solcher unersättlichen Begierdesich zu bereichern gany ersoffen waren. Bey denPriestern befand sich keine heilige Andacht, beyden Bedienten keine aufrichtige Treu; es zeigetsich keine Barmhertzigkeit in den werckeu , undkeine Zucht in den Sitten. Die Männer trugengekünstelte Bärre; die Weiber erschienen mir ge-schminckrem Gesichte. Selbst die Augen warennicht gut genug von GGcr gebildet, und wurdenverstellet; dasHaar »miste mir falsthenLarben an-gestrickten seyn. Man brauchte allerley List dieeinfältigen Hertzen zu betrügen, und ein Bruderharre Lust, den andern zu hintergehen. Der Ehe-stand mit den Ungläubigen war etwas gemeines,wodurch die Glieder Christi den Heyden preißgegeben wurden. Man schwur nicht allein leicht-sinniger weife , sondern man machte sich auchnichts draus, falsch zu/chwören. Die Vorge-setzten wurden hochinuthig verachtet; man lä-sterte den andern mit vergissterer Zungen , undhegre unversöhnliche Leindschassien gegen einan-der. Die meisten Bischofste, welche andere er-mähnen, und ihnen mir guten Exempeln vorge-hen solren, ließen die Verwaltung der göttlichenDinge liegen, und wandten ihre Sorge aus welc--iiche Geschäjstre : sie liessen die Carheder leer, unddie Gemeine ohne Hirten, und zogen durch frem-de Länder aufdie Märckre ihrem gewinnstchti«gen^ Handel nach. Sie kamen den hungrigenBrudern in der Gemeine nicht zu starren,und wa-ren begierig viel Geld zu haben, liegende Gründedurch tückischen Betrug an sich zu Bringen, undZinsen durch Zinsen zu vermehren.
Solchemnach war es kein Wunder, daß bey einbre-chender Verfolgung, oder, wie sie LX?kl/ZdcV 5 nennet,göttlichen Züchtigung , die meisten eher verleugneten,als man sie fragte, und spfferten, ehe sie gegriffen wur-den. Sie gaben sich überwunden, ehe das Treffen an-gieng, und lagen schon zu Boden,ehe sie noch jemand an-gerührer hatte, so gar verlangte» sie nicht einmahl dasAnsehen zu haben, daß sie zum Abfall wären gezwungenworden, i) Ich
x) Ibiäem. b) öe I,xL, c.z, i) Iblä. c.4.
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