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Unpartheyische Kirchen-Historie Alten und Neuen Testaments ... / [Johann Georg Heinsius]
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IIZS

Zt. Lssulum. VI. O,p. Von dem inner!. Zustand der Kirchen.

Sünden, und also schnitten sie durch die Erneuerungtäglich ab, was ihnen von dem alten Leben wieder zuwachsen wolte. r)

Ihre Gorrersebenheic siezelgeten sie durch emsigeBesuchung des.Goktes-Diensteö, Wachm, Bethen undLob-Gesänge. Die Käyserin xl^»il.oi8.oi-i-c,m8 Mut-ker, ließ alle Nacht in ihrer Celle, welche sie zu nächstbey der Kirche Hatte, gottseclige Lieder erschallen, undbegab sich allezeit noch vor Tageindie Kirche, worin-nen sie in, Gebeth und Wachsamkeit verharrete, bisdie Messe nach damahls ,üblicher Weise gelesenworden- u)

Auch pflegte der Käyser OHO in aller Frühe zurKirchen zugehen , und sich durch Gebeth gegen seineFeinde zu verwahren, x) Wegen seines eifrigen Ge-bethes soll er auch so siegöafft gewesen seyn. y) Vorerlangten Sieg unterließ er- nicht GOtt zu dancken,und-daß solches in allen Kirchen geschehen möchte, zuverordnen.

Das Mitleiden und die Mildigkcir gegen die Ar.uien wird gleichfalls an obgedachter xiLrun.r>ein einemExempel vorgestellet. So bald diese von tinigenKran-cken in der Nachbarschaft berichtet wurde, so begabstesich selbige zu besuchen, und ihnen mit nothdürffkigenDingen an die Hand zu gehen. : Überhaupt, bezeugekesie sich gegen alle Armen willfährig und milde. Jaswenn sie nur auö ihrem Fenster von fernem einen Re».senden erblickte, und wahrnahm, daß er etwa diß und je-nes benöchiget seyn möchte,so ließ sieihm solche Noth-durfft durch ihre Bedienten überbringen, a)

Den Gehorsam gegen die.Wbrigkeit gaben un>tcr andern Hertzog in Schwaben , nebst

seinem Bruder vvonx zu erkennen , welche zwar mitdem gegen 0HONLK1 rebellischen Hertzoge vonFrancken L8LX»»KV0 verwandt waren, aber lieber mitihrem rechtmäßigen Könige und Käyser , wenn es sohätte GOttes Wille seyn sollen , rechtmäßig umkommen , als mit ihrem Verwandten unbillig triumphiren walten.

Ein sonderbares Exempel der Ganssrmnth findetman an LLKMLäkIO l. Denn als ihm sein Feindder Graf üigLi-vLL-rvg gefangen, ohne Unter-Kleider,nurjn einem kurtzen Rocke und sehr beschmutzet vor Augengeführet ward, jammerte ihn seiner, und vergalt ihmnicht, wie das Volck meynet, Böses mit Bösem, son-dern befahl ihn ohngefäumt zu baden, und mit den be-sten Kleidern anzulegen,gab ihm auch hierauf seine Frey-heit mit diesen Worten: Ick) verlange keinen Epd-schwur von dir, sondern überlasse dich deiner ei-genen Treue und Glauben, wirst du übel ge-gen mich handeln, so wirst du GDrr davor He.chensihassr geben müssen. r>)

Aus diesen Exempeln kan man schließen , daß dieGnade GOtteö auch in diesen verderbtesten Zeiten zurAusübung des Guten in einfältigen und redlichenSeelen kräftig gewesen, davon noch vielmehr GOTT

allein bekannt ist, weil die wahrhaften Tugenden beyder Ruchlosigkeit der Clerisey wenig geachtet, und nurdiejenigen Geschichte der vermeynten Heiligen beschrie-ben wurden , welche sich gegen die hochmüthigeu undgeitzigen Pfaffen gehorsam und freygebig hatten findenlassen, und etwa in dem Hersetzenden Aberglauben.einebesondere Stu ffe erlanget hatten.

IH.

Was ist von dem Beifall des Christen-thums in diesem 8eculo zu lmrcken?

I Die Ursachen des gantz entsetzlichen Verfalls -erjKirchen dieser Zeiten »vollen die Papisten den Käyser»Sund andern weltlichen Potentzicn beymessen, vorge-bende, daß sie dem Pabste in seine Rechte Eingriff ge-than, und damit die seuffzende Kirche gefangen gehaltenhätten, c) Weil man aber vielmehr Exempel hat,daßdie Käyser sich bemühet, die Päbste und Clerisey in ih-rer Boßheik^u bezähmen ; und die Aergernisse zu he-ben, oder, wenigstens Hu mindern, so ist daraus der Un«gründ dieser Anschuldign»,gen gar leicht zu ermessen, st)Es ist zwar nicht zu leugnen, daß auch die Nachläststgkeic.ernrAer weltlichen Regenten das ihrige zudem Verderben beygetragen: allein das vornehmste istwohl der Tpranney:und den Lastern der Römi-schen päbste, wie nicht weniger der zunehmende»»Verdunckelung in der Lehre, und verfallenen Rir-chen-Zuchr, den Übermächten.Aberglauben und ab-göttischen A)esen, und endlich der überhand genom-jmenen'Verachmngmnd Unwissenheit des görrii-chettMsrres zuzuschreiben, e)

Worknnen sich der Verfall im geist-und weltliche»Stande graussert , ist aus dem vorhergehenden be-reits gnugsam offenbar: die kurtzc Zusammenfassungund eigentliche Bemerckung der gemeinestenLaster aber,so dieses Ortes ist, bestehet im folgenden.

Bey dem Gottes - Dienste war das Gemüthder verdorbenen Christen weuig oder gar nichtauf GOtt gerichtet, sondern stellete sich lauter Heilige»und Reliquien für. Diesen schrieb man die Erlan-gung des Guten und Abwendung des Bösen zu. Olk-K) tröstete sich in den Feld-Zügen seiner aus den Na-geln des Creutzes Christi geschmiedeten Lantze, welcheer auch ss gar kniende verehret«, s) Als her Brand zuPavia nicht die gantze Stadt verzehret«, folte cö die Re-liquie des Heil. 85ki gethan haben, ß) Anderer der-gleichen abgöttischen Thorheiten zu geschweige»».

Bey seinen Boßheiten nahm man wohl seine Zu-flucht zu den Zauberern, wie von der Gemahlin sexe».sxxil, Nahmens wn.L» berichtet wird, daß,ba sie durchihren unzüchtigen Umgang mit einem Pfaffen die Liebeihres Gemahls kaltflnnig gemacht, die von ihr erfor-derten Zauberer so viel sollen ausgerichtet haben,daß sieveiex86äxlV8 mehr, als zuvor, geliebet. K)

Wie wenig Gehorsam gegen die Obrigkeit in denEeee cee 2 Her-

t) Idiä. lid, t. c. 5. üc lib. 10. c. I. u ) WlHiddlv V8lii». Z. ») l.VHkk^tqvV8 lil». 4. c. 17. 7) tbiä. csp. 11.M VVIUici^vVZ I. c. ,)Iä. Idlä. i») l,VHkkälq0V8Ub. r.c v »7«

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