XU. 8-culm». VI. c«p. Bon dem inner!. Zustand der Kirchen.
ste nicht allein nicht dasjenige/woraus sich der Nächste
einen Vortheil machen konte,und forderten von ihm kei-ne Dienste, so selbigem Schaden bringen kanten ; son-dern suchten auch, so viel möglich, was ihm mangelte,von dem Ihrigen zu ersetzen» Aufs wenigste, wenn esam Vermögen fehlere, hatten sie Mitleiden mit ihm,und bezeigeken dadurch ihr zu Helffen begieriges Gemü-the. r) Sie liessen sich die Wohlthaten nicht ab-bringen , sondern trugen sie den Vebürffrigen gantz eileud und unvermukhct an.;)
Ihre Barmhertzigkeir gegen den Nächsten erstrecktesich so weit, daß sie ihm in der Noth Gelder vorschössen,und keine Zinse davor verlängeren, als die da wüsten,baß ihnen GOtt auch alles, was sie hatten, ohne Zinsegegeben, und Hielten dessen Verdammniß gantz gewiß,derdurch Wucher Vortheil suchte. 0
Um so vielmehr rcicheten sie ihre lieb-volle Hände denArmen, wie von dem Käyftr Friederich gelesen wird,daß er den Armen gemeiniglich mir seinen eigenen Hän-den die Gaben ausgetheilet, und den Zehenden von seinenEmkünsstcn a» Kircben und Klöster Verwendern) DerGraf Carl von Flandern war znr theuren Zeit gegen dieNorhleidendcn so mildgebig,daß er zu Ppern auf einenTag bis/Zoo Brodte unterste ausgeben lassen.x)Gegen die Feinde bezeigten sie den Geist der Gclin-digkeir durch hertzliche Ermahnungen, und gaben ihmso viel Liebe zu erkennen, daß endlich dasseben der Liebeauch in ihnen angezündet ward. y) Sie bothen ihnendie Versöhnung frei-willig an, ob sie gleich nichts gegensie versehen hatten, nach dem Exempel GOttes, welcheruns die Versöhnung angetragen, mit solcher Liebe, daßer auch seines eigenen Sohnes nicht verschönere» r) DieLaster zwar der Bösen waren ihnen Höchst zuwider, sielieberen sie aber darum, weil sie Menschen waren, undetwa noch zum Reiche Gottes geführet werden könten-s)Bey der Mäßigkeit hielten sie es nicht nur vor einunmäßiges Wesen, wenn man zu viel that, sondern auch,
rszs
denn ihre Lehrer selbst Handwercker trieben. Um Reich-thum trugen sie keinen Kummer, sondern waren mit derNothdursst vergnüget. Ihr Wesen war keusch. Siemäßigten sich in Speise und Tranck. Schenck-Häuser,Täntze oder andere Eitelkeiten besuchten sie nicht« Sieenthielten sich des Zorns, lerneten und lehreken gerne,giengev zur Kirchen, und merckten sonderlich fleißig ausdie Predigt. Jngleichen hielten sich ihre Weiber züch-tig» Ein jeder aber Hütete sich vor Verleumdungen,unnützem Geschwätze, Lügewund Schwören : daher sieauch nicht einmahl wavlich, oder fürwahr sagen wöl-ken,weil sie es vor einen Schwur hielten, e)
Man hat noch mehr dergleichen Zeugnisse von christ-lichen Leuten, f) es mag aber diesen an diesen vor diß-mahl gnug seyn, zumahl, da man sich daraus von ihremguten innerlichen Zustande schon einen Hinlängliche«Begriff wird machen können«
m.
Was ist von Dem Verfall des Christen-thums in diesem 8eculo zu.mercken ?
Das gantze Christenthum war voller.Abgöttereiund Aberglauben. Der Käyftr is^crv!.verchrere die Jungfrau Mariam mit solchem Eifer,daßer bey ihrem Bilde fast ohnmächtig ward. g) Die Un-gärn rufften Hie Heil. Magdalenam um Hülffe gegenihre Feinde an.K) Die zu 8oillon?, welche au dem so-genannten heiligen Feuer darnieder lagen, schrien znder Jungfrau Marien um Errettung, i) gleichsam alsob kein GOkt mehr im Himmel wäre, der da in der Noch^vlte angeruffen seyn, und zu seinem Preise erretten.Manche liessen sich auf ihrem Krancken- Bette inMönchs-Kutten einkleiden , und meynetcn dadurch zngenesen, oder ihre Sünden zu tilgen, wie die Scribentenvon dem Könige r>ure.rk?o in Frankreich, und dem Kö-nige Lrnco in Dännemarck melde», k) Andere fielenaar von dem Vekänntnisse des christlichen Nahmens ab,
wenn man sich die Nothdursst abzwackete. b) Das und traten zu den Drecken, welches unter andern darbeste Fasten ward darinnen gesetzet,daß man sich der La- Exempel ron^um; coranenr, elneö Käyftrlrchen Prm-sier enthielte, c) ruConstankmopel, bezeuget >)
Im übrigen findet man schöne Zeugnisse von demChristlichen Leben der waldenscr, worinnen ihnen!ihre Feinde selbst auch wieder Willen bcyfallen müssen.Man schreibet also,daß sie vorder, Leuten gerechtgeleber,und man konte ihnen weiter nichts auöfttzen,als,daß siewieder die Römische Kirche gelästert, H oder wie man eseigen tlich hätte ausdrücken sollen, ihre Fehler aufgedecket.
Sie waren von stiller und ehrbarer Aufführung,tru-gen sich in Kleidungen gar nicht prächtig , doch auchnicht lumpicht undsäuisch. Des Handels entschlugensie sich , wegen des dabey vorgehenden Fluchens undSchwörens^ lebten aber von ihrer Hand-Arbeit, wie
r) kL^KVS V8dI8X^8H.l8 lib. z. -p. -8. , ttlüvkK8K8. eoiä. 27. k) ?8^ktV8 88Sk-88E8 -p>uu) ^ l)8VI(IV8 üb. 4. csp. jo. ») Liiron. 8i,nilrire.7 88NdIttt.8VV8 t-rm. < 1 - ,6uwr.r. t^,r. x 1 KV88K t V8t vl I lkd 18 I 8 IW. ;. i° ka-nk. c-p. ,) 88L8V8 üOdl-k -8.NV8 8b. ;. ciitt. 29. b 688d-'tt/<8VV8iib. 2.a-c«n-kä. c , l^em lei-m äe ä) ktaldiWV8 8^V
c«Ok<V8 sä», ^.iäeos. c»x. 4. ^
Die Zauber-Künste giengen in der Christenheit der-Massen im Schwange, daß man fast von allen Griechi-schen Käyftrn, und sonderlich auch von den Russen der-gleichen Gräuel liefet."')
Von Untreu und häuffigen Rebellionen sind allerOrten übcrflüßige Exempel anjurreffen,n'orzu die Re-genten nicht selten durch übermäßige Aerflagen undUngerechtigkeiten Gelegenheit gaben, n)
Die Ra'cl-gier unter den Ehrist n war so groß, daßman kaum unter den Heyden dergleichen angetroffen.Die von Ocmc>na und bezeigten sich gegen dieMäylander dermassen seindseelig, daß sie nicbt nur der-ftlben Weinberge, Feigen und Oel - Bäume darniederRrrrrrrr hie«
«) Viö. Lsr,l verit. lib. » 5 . ss .^57 k Ibidem»
z) Nice^8 k) 80" 8I-0IV8 Ub.6.6«c.
2. i) c»«cin. t- ^8k-1L88V8lL^8. Üb.
x.c.r, 8-^X0 6^XI^EcV8 lib. 4. «) leUcLüäL
ctt(. I 88 IN ,lUlü» ll>) lärm 1bul.LKOd18KV8 Ab»6. n)^äem ibiä.