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Unpartheyische Kirchen-Historie Alten und Neuen Testaments ... / [Johann Georg Heinsius]
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xm. 8ecu!um. VI. Vott btm innerl. Zustand der Kirchen» »,

Sie liebEis GDtt von gantzem Hertzen, weil erder Schöpffer, von gantzer Seelen, weil er der Erlö-ser, und von gantzem Gemüthe, weil er der Ver-gelten c)

Sie setzten ihre Hoffnung auf seine Gnade, weilfie sich auf ihre eigene Krästtc nicht verlassen tonten,und erwarteten von solcher gantz gewiß das Zukünff-rige und ewige Gute s)

Sie erkannten GOtt in der Demuth vor ihrenHerrn und Richter, und gehorchetcn ihm in allen, wiedie Knechte ihren» Herrn, und das Merck seinen»Schöpffer. Sündigten sie gegen ihn, ^ liessen siesichs alsofort leid seyn, und besserten sich. SeineZucht-Ruthe erduldeten sie ohne Murren, preisten das ge-rechte Gerichte GOttce, und hielten sich der Züchti-gung wehrt, sagende: Ich will des^HErrn Zorntrage»», denn ich habe an ihn» gcsündiger. Sieerhoben sich auch nicht seiner göttlichen Wohlthaten,und erkannten, -aß er uns nicht um unsers Verdien-stes »Villen, sondern blos auö seiner Gnade geliebct,deruffen, gerechtfertigt und herrlich gemacht hat. g)

In der Liebe gegen den Nächsten erforderten sieeine sonderbare Reinigkeit, eine nutzbare Gütigkeit,und aufrichtige Wahrheit, k»Sie »varen dabey de-müthig, und hielten ihren Nächsten vor besser und wür.diger als sich selbst: sofern war eö, daß sie ihn Hättenverachten oder freventlich urtheilen sollen. Sie kamenihm äusserlich mit Ehrerbietung zuvor, und wiesen ihmdie Obersteke an.. Sie verleumdeten ihn keinesweges,waren ihm zu Willen, und suchten seinen Vortheil, er-hoben, recommenäiretcn und lobten ihn, wenn sie waSGutes an ihm fanden, die Fehler aber bedeckten sie oh-ne Falschheit. Sie erduldeten seine Beleidigungen,und vergolten nicht Böses mit Bösem hegten keinenHaß, Zanck noch Geschrey gegen denselben, und höre-ten seine Bestraffungen mit Sanfftmuth. i)

Nach Anführung der Barmhertzigkeit thaten sieihre»»» Nächsten sieben Stücke im Geistlichen und sie-ben im Leiblichen zu gute. Im Leiblichen speisten siedenselben, wenn ihn hungerte, sie tränckten ihn, wennihn dürstete, kleideten ihn, wenn er nackend war, be-herbergcten ihn, »venn er fremde war, besuchten ihn infeiner Kranckheit, erlösten ihn aus der Gefangenschafft,und begruben ihn nach dein Tode. Im Geistlichen ver-gaben sie ihm , »venn er sie-beleidigte, ermähnten ihn,wenn er sündigte, betheten vor ihn, unterrichteten ihn,wenn erunwiffendwar, stärcktenihn in seinerSchwach-heit, trösteten ihn im Leid-Wesen, und trugen Mitlei-den mit allen, die ein betrübtes Hertz hatten, k)

Die Obrigkeit ehreten sie, »venn sie gleich bös war,doch nicht auf solche Art, »vie GOtt gebühret, oderwider ihr Gewisse». I)

Von der Friedfertigkeit findet man auch denn undwenn Exempel, V. ein Bischost zu Speyer

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aus dem Geschlechte der Grafen von Eberstein, wel-cher dem Käysr vkivLKico n. sehr gute Dienste gelei-stet, suchte bey aller Gelegenheit den Frieden dergestalt,daß man ihn darüber mit dem Zunahmen r-Lcikiczrc»-»»»5. oder des Lriedens-Stiffrers, bcehrete. m) Essiehet fast einer verwegenen Friedfertigkeit ähnlich, wenn»vool.i-»v, von Haböburg, ehe er noch Käysr ward,bey wahrendem Kriege, den er mit den Abte von S-Gallen führete, sich nur mit wenig Leuten zu obgedach-ten» Abte verfügete, mit ihm speiste, und sich so ver-traulich bezeigte, daß der Abt allen Unwillen fahrenließ, und also der Krieg auf einmahl aufhörete. n)Es ist nicht zu leugnen , daß «vvol.?uv; viel Politi-sche k^ociven zu diesem Vornehmen hatte, »veil ihmandere Feinde vollauf zu thun gaben, inzwischen ist seinfriedfertiges Gemüth nickt gantz auszuschlieffen, alswelches man noch in andern Fällen, als bey dem Bi»schösse zu Basel und sonsien bemercket.

Es gehöret auch unter die Kennzeichen der Sanfft-muth und Friedfertigkeit dieses Herrn, als er schonKäysr w«,r, daß er dem Böhmischen Gesandten »rare.»L«oo, Bischoffcn vvn8ccco„, welcher aufdem Reichs-Tage zu Augspurg dermaßen aufrührische Rede ge-gen den anwesenden Käysr zu den Ständen führete,baß sich dies an ihn» vergreisten wölken, dennoch nichtdas geringste unanständige rviederfahren ließ, sondernihnvielmehr vor allen Gewaltthätigkeiten beschützet!. 0 )

III.

Was ist von dem Verfall des Christenthumsin diesem Feculo zu mercken?

Im Oriente klaget einer, daß die Heilige»» abge-nommen hätte»», und die Wahrheit fast gar aus-getilget wäre. p) Es »var alles mit Fressen undSausten, und entsetzlicher Wollust verderbet. Herrsch-Sucht, Geitz, Ungerechtigkeit Verschwendung undPracht hatten überhand genommen, g) Es »var da«slbsten vom Christenthume fast nichs mehr übrig, alsder Nahme, die 8ymbc,ls und Loncilia. Man zancktesich über allerhand Unnütze Grillen, hieng an den äussrlichen Ceremonien, und war von dem wahrhafftenGottes-Dienste weit entfernet. Hicrbey wurden diemeisten Morgen-Läuder mit Ketzern, als den Euty-chianern , Iacobite» , Monotheleten, Theopaschiten,Nestorianern und Anneniern, welche sich ihre beson-dere Larbolico, oder Patriarchen gesetzer hatten, er-füllet. r)

Iin Occidente sahe es nicht besser, sondern noch wohlschlimmer aus. Der Aberglaube hatte alles über-schwemmet, baß auch die besten Gemüther davor zukeiner rechten Krafft des Glaubens und der Freyheitkommen konrcn. Aus diesem verkehrten Grunde floßes, daß der Käysr Lvvorvuv; ordentlich den Freytag

zu

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