Buch 
Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
Entstehung
JPEG-Download
 

86

h e n

wolle verschiedene Reichs-kleinodien theils verkaufte, auch theilsverpfändete, und davor gewehr und Munition einkaufte, auchda sie an. 164;. nach ausgestandenem schweren stürm, selbstwieder in Engestand anlangte , nebst einiger artillcrie 200a.mann Infanterie und 1000. reuter mit sich brachte, die sie,biS sie zu den Königlichen volckern gestossen waren, selbst com-mandirte. Sie ward hierauf in dem Unter - Hause wegenhoch-verraths angeklagt, und ob gleich diese klage bald liegenblieb, so achtete sie sich doch, da des Königs fachen immerschlimmer wurden, in Engestand nicht mehr sicher, sonderngieng an. 1644. nachdem sie 18. tage vorher mit der PrintzeßinHenrietta niedergekommen war , nach Franckreich. Hicselbstlebte sie, weil ihr die versprochene jahr-gelder sehr unrichtig,und oft gar nicht bezahlt wurden, in so grosser dürftigkeik,daß sie das Parlement von Paris um eine beysteuer ansprechen,und einmal im Winter aus Mangel vom holtz, einige tage imbethe liegen bleiben muste. Nach Königs Caroli ll. Wiedereinse-tzung that sie an. 1660. eine reise nach Engelland, und als sie vondar nach Franckreich gekehret war, an. 1662 . eine abermalige,mit dem Vorsatz, ihr leben in Engestand zu bcschliessen. Weilchr aber der Englische Hof nicht gestatten wollte, sich in dieStaats-händel su mengen, gieng sie aus verdruß zum dritten malnach Franckreich , wo sie endlich an. 1699. zu Cvlombes unweitParis verstarb. Sie besaß überaus viel lebhafftiqkeit, war imUmgänge angenehm und gefällig, scheute keine gefahr, und zeig-te bey vielen gelegenheiten eine ungewöhnliche unerschrveken-heit. Dabey aber war sie herrschsüchtig, wollte überall Staats-streiche anbringen, griff es aber niemal am rechten ort an, undhatte nicht verstand genug sie auszuführen, sondern suchte allesmit gewalt zu zwingen. Hiernächst war sie auch leichtgläubig,und konnte die gefaßten anschlüge nicht verschweigen. Gleichwolfolgte derselben ihr gemahl in allen dingen blindlings, und mankan daher wohl sagen, daß sie durch ihre schlimme und unbe-dachtsame anschläge an seinem verderben und Unglück grossentheils ursach gewesen. Man giebt ihr schuld , daß sie ihn inson-derheit zu der cinwilligung des Grafen von Stafford, der siebey dem Parlement anklagen wollen, bewogen , und an derschädlichen Unternehmung in Jrrland, aus welcher hernach dierrmordung der Protestanten in diesem Reiche erfolgt, viel theil

S 'abt. Der Catholischen religion war sie eifrig zugethan, gabauch viel mühe, ihre linder zu annehmung derselben zu be-wegen , und ließ zu solchem ende den Hertzog von Glocester nachihres gemahls tobe in ein Iefuiter-Collegium einsperren, umihn mit gewalt barzu zu nöthigen. Rapiu, hist. tom. VII. VIII.IX. Burnet, mem. des dem. revol. Motteville, mem. tom. jV.de Marie de Mldicis. de Hetz , tom. I, p. 226. de Clarendon.Baßlage , ann. tom. I. DOrleans , hist. des revol. dAnglet .

* -Aenrietta Maria, oder Anna Stuart, eine tochter KönigsCaroli 1 . von Groß-Britannieu, und Henriettä Maria, so desKönigs Henrici IV. von Franckreich tochter gewesen, warb an.1644. zu Epeter gebvhren , und bey den damaligen schlimmenumständen ihrer familie im zweyten jähr ihres alters nachFranckreich gebracht» wo sich ihre mutter aufhielt. Dieselbewar sehr bemüht, sie vortheilhafft zu verheurathen , und ließsie nicht allein dem Hertzoge von Savoyen, und dem Groß-Heryoge von Florentz, sondern auch vornemlich dem Königevon Franckreich, Ludovico XIV. antragen, konnte aber nirgendsmit ihr ankommen , indem sie der König allzu jung vor sichhielt, auch sie sonst nicht nach seinem geschmack fand, die bey-den Hertzoge aber sonst bedencken trugen , sich mit ihr zu ver-mählen. An. 1661, ward sie an des KönigS von Franckreichbruder, Philippum, Hertzog von Orleans, verlobt, undthat, ehe die Vermahlung würcklich vollzogen ward, eine reifenach Engelland, wo sich der Hertzog von Buckingham so hef-tig in sie verliebte, baß er ihr auch nach Franckreich folgte, wie-wol ihr gemahl verschaffte, daß er bald wieder nach Hause keh-ren muste; sie fand jedoch gar bald viel andere liebhabec. Un-ter denen waren eine Zeitlang der König selbst, den ihr dieVa-liere, ihr Cammer-Fräulein abspenstig machte; derPrintz vonMarsillac, der Hertzog von Monmouth, der Graf von Gujche,der ihrentwegen etliche mal aus dem Reiche weichen muste, vonihr aber am meisten und am beständigsten geliebet ward ; derMarquis von Vardes, welcher ihr durch feine intriguen vielverdrieslichkeitcn verursachte; und der Graf von Treuille, des-sen nahmen sie noch auf dem tod-bethe crwehnt, und der nachihrem absterben ins kloster gieng. Ungeachtet der König mitihro wegen der Valiere zerfallen gewesen, befand er doch her-nach vor nöthig, sie zu den geheimen Handlungen mit ihrembruder dem Könige Carolo II. von Groß-Britannien zu gebrau,chcn, daher sie an. 1670. nach Douvres gehen muste, allwo siezu dem tractak, zwischen diesem Könige und dem Könige vonFranckreich, welcher hauptsächlich wider die Repnblick der ver-einigten Niederlande gerichtet war, den gründ legte. Ihr ge-mäht , dem sie immerdar mit grosser kaltsinnigkeit begegnete,und der über ihre verschiedene liebes-handel seit langer zeit ei-fersüchtig gewesen, empfand vollends über das grosse vertrauen,das der Kvnig, sein bruder, bey einer fache, die er vor ihmselbst geheim gehalten, in sie gesetzt gehabt; ingleichcn über dieNachrichten, die er wegen des verdächtigen und allzu vertrautenUmgangs mit ihrem bruder in Engclland erhalten, einm sol,chen Verdruß, daß man gemeiniglich davor hält, er habe ihrdurch seinen vertrauten, den Ritter von Lothringen , der die

h e n

Uneinigkeit zwischen ihm und der gemahlin beständig unterhal-ten, auch deswegen eininal aus dem Reiche gehen müssen,gift beybringen lassen. So viel ist gewiß, daß als sie bald nachihrer Wiederkunft aus Engelland von einer sehr schmertzhafftenkranckheik befallen worden , sie selbst öffentlich gesagt, daß ßegift bekommen, ob sie gleich gegen den Englischen Gesandten,der sie darum befragt, sich nicht deutlich heraus lassen wollen.So hat man auch sowol bey ihrer kranckheit, als nach ih-rem tobe, an ihrem corper verschiedene merckmahle einer Ver-giftung wahrgenommen. Sie starb an. 1670. den 30. jun. Beyihrem ende bezeigte sie sich sehr standhafft und Christlich , bat denEnglischen Gesandten, es dahin zu vermitteln, daß ihr bruderihren tob nicht ahnden möchte, und versicherte ihren gemahl,der über ihren zustand weder einiges mitleiden noch die ge-ringste bewegung spüren ließ, ausdrücklich, daß sie ihm nie-mals untreu gewesen. Dieser ihr gemahl ließ, so bald ßeverschieden, ihre briefschafften durchsehen , wollte auch, weiler darinnen gründ zu seinem verdacht, wegen der liebes-hän-del mit ihrem bruder, zu finden meynte, solche nicht eher her-aus geben, bis man sie ihm alle überjetzet, und die, so in Zif-fern geschrieben waren, aufgelöset hatte. Ungeachtet sie aus-gewachsen und überhaupt nicht schön war, so war sie doch sehrwohl gestalt, halte viel geist, und im Umgänge grosse annehm-lichkeit, wußte auch sich jederman gefällig zu machen. Übri-gens meynet man, ob sie gleich ihren liebhabern oft zu unge,wohnlicher zeit zutritt verstattet < und mit ihnen fleißigen bries-wechiel gepflogen, auch sich sonst auf verschiedene weise verdäch-tig gemacht, sie sey mehr einer Unvorsichtigkeit, als eines würck-lichen strafbaren Vergehens schuldig zu achten. In einer gewis-sen schrift, so in Holland unter dem titul: les Amours du Palais Royal , heraus gekommen, und davon der damalige BisthoffvonValence , Cvfnac, ihr zu gefallen alle exemplarien aufgekauft,werden ihr viel ungebührliche dinge beygemessen. Die Gräfinde la Tayette, so bey ihr in diensten gewesen, hat ihr lebenbeschrieben, so an. 1720. zu Amsterdam in druck gegeben wor-den. Mem. de Choijy , tom. III. p. 46. 76. de Motteville , tom.I-V. de Montptnßer , tom. IV. p. 216. de la Bare , p. 49. go.Burnet , mem. des dem. revol. Basnage , ann. tom. II.

* Henrion, (Nicol.) gebvhren zu Troyes in Champagne an. 166z. den 6. dec. trat in seinem 19. jähre in den orden de lrDoctrine Chretienne , davon sein Vetter General-Superior war,und lehrte zu Vitry, Noyers und Avalon, die Philosophie undHebräische spräche, verließ aber nach seines vatters tvde den er-den, verheurathete sich, wurde Doctor Juris , und practicirte.Er hatte eine grosse liebe zu Medaillen und alterthümmern,wurde an. 1707. in die Academie des Inicriptions aufgenom-men , und weil er eine grosse kenntnis der Morgenländischmsprachen besaß, an. 170;. zum Königlichen Proleifore der Sy­ rischen spräche ernennet, auch an. 171°. in die Juristen-Facul-tät recipiret, und starb an. 1720. den 24. jun. Seine schriftensind: Medailles Samaritaines , qui portent le nom Simon,welche in der Historie de l'Aeademie des Inicriptions ; Di-scours für l'Utilite des Medailles , welcher in den Memoiresde Trevoux; Projet dun Traite Historique & Chronolog,,que des Monnoyes Romaines depuis ]eur prämiere fabrica-tion jufqua la prife de Constantinople par les Turcs , so indem Journal des Savans stehet. Hißoire de lAeademie da In·jeriptions , tom. V.

-^enriquez, ist eine vornehme Spanische familie. ESkommt solche her von Alphonso Henriquez, der solchen nah-men am ersten geführet, und deS Infantens in Castilien , Fri-derici, Großmeisters des ordens St. Iacobi, so Königs AI-phonsi XII. söhn war, unächlcn söhne. Dieser erlangte dasamt eines Admiranten von Castilien , brachte solches endlich aufsein gcschlecht, und starb an. 1429. Dessen söhn FrldericuSHenriquez, erster Graf zu Melgar und Rueda, hat feine toch-ter Iohannam dem Könige Johainrivon Aragonien und Na-varra zur ehe gegeben, »velcher mit ihr den berühmten KönigFerdinandnm Catholicum in Spanien aezeugcr. Von des AI-phonsi anderin söhn aber stammen die Grafen von Alba Alistaher. Fridericus hatte 2. söhne; von dem ersten Alphonso stam-men die Hertzoge von Medina de Rio-Seco her, von dem an-dern Pctro die Grafen de los Mvrales , die Marggrafen vonTarif» und Hertzoge von Alcala. Dieses Friderici enckel, Ferdi-nandus Henriquez, ward von dem Kaystr Carolo V. als Königvon Spanien , zum ersten Hertzoge zu Medina de Rio-Scco ge-macht. Er verehlichte sich mit Anna von Cabrera, Graf Io-hannis zu Mvbica, Herrn zu Camiso, Aliamo, Caccamo und Ca-latini im Königreiche Sicilien tochter und erbin, wodurch ihrerbeyder söhne und nachkommen den zunahmen Cabrera auch an-genommen, und bishcro geführet haben. Dessen ur-enckcl warLudovicus III. Henriquez von Cabrera , Admirante von Casti-licn , und Hertzog von Medina de Rio-Seco , Graf zu Melgarund Mvbica, der an. 1600. verstorben, und von Victoria Co-lonna, Marci Antonii Colonna, Hertzogs zu Palliano und Ta-gliacvzzo, Connetable des Königreichs Neapvlis tochter, nebst2. töchtern Anna pnd Felicia, ivelche an Francifcum Ferdi«nandum de la Cueva, Hertzog zu Albuqncrque t und Fran-cifcum II. von Sandoval und Roxas, Hertzog zu Lrrma, ver-ehlichet, Alphonsum Henrique; von Cabrera verlassen hat,von dem hernach. Dieser hatte sich an. 1600. mit Franci-fc« Lncia von Sandoval, Christvphvr» von Sandoval und

RopaS ,