Geistliche Schauspiele
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in Italien hatte, so ist es wahrscheinlich, daß auchdiese, damit in Verbindung stehende Spiele, daselbstihren ersten Ursprung genommen haben werden. — NachApostolo Zeno ist schon 134z zu Padua ein solchesgeistliches Schauspiel ausgeführt, und nach Muratorihat man eine Vorstellung des Leidens und der Auferste hung Christi 1298 zu Friaul veranstaltet. Doch sol-len diese Spiele blos Mummereyen gewesen seyn, wo-bei weder geredet, noch gesungen worden. Nach Ric-cvbini waren solche stumme Schauspiele noch im XVIl«Jahrhundert in der katholischen Kirche , bei Gelegenheitdes Frvhnleichnams, und anderer Feste, üblich. - Auchdie sogenannte Brüderschaft del Gonsalcone, wel-che 1264 gestiftet worden, soll in der Charwoche dasLeiden Christi vorgestellt haben. Man läßt diese Vorstel-lungen bis 1549. dauern, in welchem Jahre der PabstPaul III. dieser Brüderschaft verbot, ihre Spiele imColiseo fortzusetzen. Aber sie wurden doch an andernOrten fortgesetzt. Völlig musikalisch scheinen solcheStücke erst am Ende des XV. Jahrhunderts geworden zuseyn. Eine» der ältesten dieser Spiele, weiches Cres-kimbeni kannte, handelt von Abraham und Jsaac,und wurde 1449 zu Florenz in der Maria - Magdale-nen - Kirche aufgeführt. Der Verfasser desselben hießFrancesco Belcari. — In Frankreich sollen diesegeistlichen Schauspiele ebenfals sehr frühe, und zwar nochvor IZ98 üblich gewesen seyn. Nach Menetrie'r sindsie daselbst durch Pilgrimme, die aus Jerusalem undaus dem gelobten Lande, wohin sie gewallsahrtet hat-ten, zurückkamen, zuerst eingeführt seyn. Wahrschein-lich aber ist ihr Ursprung in Frankreich früher, und esmögen schon iziz dergleichen Schauspiele in Paris auf-geführt seyn. — In den übrigen christlichen Ländern,