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Vierter Band.
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Thermometer

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Pasckius, Pros. zu Kiel (geb. 1661, gest. 1707)führt daher, ohne weitere Untersuchung, dieses Vorge-ben für eine gewisse Wahrheit an. Nach diesem An-geben müßte aber die Erfindung dieses Instruments indie allerdunkelsten Zeiten gefallen seyn, in welchen we-der Physik noch Mechanik bearbeitet wurden. Es ist da,her mehr als wahrscheinlich, daß Fludd seine Behaup-tung aus Neid gegen Drebbei erdichtet habe. Derberühmte Arzt SanctoriuS zu Padua führt an, daßer ein Werkzeug erfunden habe, das zur Erforschungder verschiedenen Temperatur des Körpers der Krankendiene. Es haben daher Poleni, Malpighi undBorelli ohne Anstand diesem Arzte die Erfindung desThermometers zugeschrieben. Auch kann man sonst denbeiden ersten Florentinern eben keine Partheilichkeit, auchnicht für die Gelehrten der Paduanischen Schule» Schuldgeben. Muschenbroek bemerkt, es sey Lies Instru-ment des Sanctorius den Auswärtigen n'chr bekanntgeworden, daher könne man von dieser Quelle dir frü-here Verbreitung des Thermometers von England undHolland nicht ableiten. Ferner wird noch die Erfindungdes Thermometers vom Viviani dem Galilei , undvom P. Fulgenzio, dem großen venetianischen Theo»logen, Paul Sarpi , insgemein Fra Paolo genannt,zugeschrieben, jedoch ist dies erst nach seinem Tode ge-schehen, und es laßt sich sehr wahrscheinlich vermuthen,daß daran blos die eitle Ehrbegierde Schuld sey, denerwähnten Italienern alle mögliche merkwürdige Entde-ckungen ihrer Zeit beizulegen. Aus allen diesem erhelletwenigstens so viel, daß die eigentliche Erfindung desThermometers ungewiß ist, daher auch Sturm bemerkt,daß es schwerlich zu erwarten sey, den eigentlichen Er-finder des Thermometers zu entdecken. Gehler. IV.