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Historische Festschrift für die Centenar-Feier des Kantons Aargau 1903, verfasst im Auftrage der Centenarfeierkommission : die Geschichte des Aargaus, dem aargauischen Volke erzählt / von Ernst Zschokke
Entstehung
Seite
137
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französische Invasion an. Allein Aarau verweigerte den Auszugder verlangten 200 Mann und wollte auch nichts davon wissen,daß die Truppen vom Lande, deren Gesinnung nicht genügendbekannt war, sich in der Stadt sammeln sollten. Wirklich ge-lang es den Berner Offizieren auch auf dem Lande nicht, ihreLeute zusammenzubringen und so war der offenkundige Abfallda, unmittelbar nach der Abreise der Tagsatzungsgesandten.

Eine längst bereitgehaltene Tanne, mit Bändern in denFreiheitssarben rot-gold-grün geschmückt, wurde unter Glocken-geläute von einer großen Volksmenge als Freiheitsbaum vordem Rathanse in Aarau aufgerichtet. Kanonen donnerten,Gewehrsalven ertönten, ein Mitglied der Sicherheitskommissionüberreichte dem Gesandten Mengaud mit einigen Worten einenZweig von dem Baume, wofür dieser mit eiuer feurigen An-sprache dankte. Auch der Pfarrer Joh. Georg Fisch, einerder Führer der Patrioten, hielt eine zündende Rede und voneinem Freudentaumel ergriffen, tanzte die Bevölkerung um dasWahrzeichen ihres ersehnten Glückes.

Aber alsbald folgte der Umschlag. Es war inzwischen denAmtleuten gelungen, das Landvolk auf dem linken Aaruser,sowie im Sichren- und Wynental nicht nur zu beschwichtigen,sondern auch gegen Aarau in Wut zu versetzen, indem manihnen von verräterischen Absichten der Aarauer Patrioten sprach.Zudem erschien am 4. Februar der Berner Oberst von Büren mit seinen Truppen im untern Aargau , besetzte Aarburg , woer die patriotischen Bürger entwaffnete, und rückte dann nachSuhr . Hier vereinigte er sich mit den Bern treu gebliebenenTruppen und griff mit ihnen Aarau an, und zwar ohne einenBefehl seiner Obrigkeit, die sogar sein scharfes Draufgehennicht einmal ganz billigte. Aarau hatte etwa 500 Bewaffneteund vier Kanonen mit wenig Munition, wollte aber doch nichtohne Kampf sich übergeben. Die Bürgerschaft zog aus unterdem Befehl des Kommandanten der Bürgerwache, Rothpletz, die