286
Die Abteilung des Obersten Rothpletz auf dem Sonnenbergwurde am Morgen nach tapferem Widerstände überwältigt undgefangen genommen.
Damit war der mit so großen Hoffnungen unternommenezweite Freifcharenzug ebenfalls völlig gescheitert. Noch einigeTage irrten versprengte Teilnehmer durch das Luzerner Ge-biet; aber nicht allen gelang es, die schützende Grenze zu er-reichen. Das erbitterte Landvolk spürte ihnen eifrig nach, unddiejenigen konnten von Glück reden, welche gefangen nachLnzern abgeführt wurden. Gar mancher wurde erbarmungslosniedergemacht: eine Folge des harten Freifcharengesetzes.
Aber auch die Gefangenen hatten kein freundliches Los. Siewurden unter vielfachen Mißhandlungen gefesselt nach Luzern geführt, welches Schicksal auch Oberst Rothpletz erfuhr. Diemeisten Gefangenen pferchte man in der Jesuiten - und derFranziskanerkirche, sowie im Jefuitenkollegium zusammen undgewährte ihnen oft kaum das nötigste. Oberst Rothpletz, wieauch der in die Hände seiner Regierung gefallene Dr. RobertSteiger, wurden im Kesfiturm gefangen gesetzt.
Zahlreich waren die Opfer dieses unglücklichen Zuges. Manzählte 105 Tote (darunter 54 Aargauer ), etwa 70 Verwundeteund über 1800 Gefangene.
Sobald bekannt geworden war, daß ein bewaffneter Ein-bruch in den Kanton Luzern stattgefunden habe, schickte dieaargauische Regierung Truppen an die Südgrenze. Auch derVorort Zürich mobilisierte zwei Divisionen, um die Feindselig-keiten zu verhindern, und besetzte mit ihnen den Aargau . DieTagsatzung wurde in aller Eile auf den 5. April zusammen-berufen, und hier zeigte es sich, daß der Riß, der die katholisch-konservative Schweiz von der liberalen trennte, unheilbar ge-worden war. Vorkämpfer der einen war Luzern , der andernder Aargau . Luzern beklagte sich bitter über den Friedens-bruch und wußte sich glücklich im Gefühl des aus eigener Kraftzweimal errungenen Sieges; die Gesandten von Aargau , Wieland