146
Ammann in Ermatingen , Stoffel in Arbon , Harder in Lipperswil,Dr. Scherb (Sohn) in Bischofszell , Paul Reinhard in Weinfelden undDölli in Nttwil. Der Derfassungsrath (es war der erste thurgauische)lag seiner Arbeit mit Eifer ob, wobei Anderwerts Stimme besondersbeachtet wurde. Man forderte aber auch die Gemeinden und Korpo-rationen auf, ihre Wünsche und Vorschläge mitzutheilen, wie das auchbei spätern thurgauischen Verfassungsrevisionen geschah. Ueberdiesmußten bei der dermaligen Lage der Dinge auch die Direktionen derGesandten der fremden siegreichen Mächte beachtet werden; ebenso dieWünsche der Mehrheit der Kantone, sowohl die der innern demokra-tischen, katholischen, als die von Bern , Luzern , Freiburg und Solo-thurn, die bereits aristokratische Regierungen erhalten hatten. DieArbeit war daher keine leichte. Mit Freuden vernahm man, noch vordem eigentlichen Beginn der Verhandlungen, daß im Pariser Friedenvom 30. Mai 1814 der wichtige Artikel aufgenommen worden sei:„Unabhängig wird die Schweiz fortfahren, sich selbst zu regieren."
Der Aufforderung an die Gemeinden und Privaten, ihre Wünschekund zu geben, wurde Folge geleistet. Die Klöster verlangten An-erkennung ihrer Fortexistenz, freie Vermögensverwaltung und Novizen-aufnahme. Die ehemaligen Gerichtsherren erwarteten billige Vertretungim Großen Rathe und in andern Behörden als Entschädigung für denVerlust früherer Rechte. 22 Gemeinden gaben sehr verschiedene Wünscheein. Die Städte verlangten Wiederherstellung mancher früheren Rechteund Begünstigung bei den Wahlen in den Großen Rath; Frauenfeld lag nur der Wunsch am Herzen, Residenz zu bleiben, was ihm Wein felden diesmal nicht streitig machte. Aus den hinterthurgauischen, anSt. Gallen grenzenden Gemeinden kamen demokratische Vorschläge.Emmishofen legte in seiner Eingabe einen vollständigen Verfassungs-entwurf vor; der Große Rath sollte nach demselben 80 Mitgliedererhalten mit Berücksichtigung der frühern Gerichtsherren, der großenGutsbesitzer und Städte. Die Wünsche nach wohlfeilerer Regierung,billigerem Salz, Abschaffung der Advokaten, freiem Handel mitAusschluß der Juden u. s. w. wurden in mehreren Eingaben aus-gesprochen, besonders aber wurden Abschaffung der vielen Beamtungen(z. B. der besonderen Behörden für Kirche, Schule, Miliz- und Sanitäts-wesen) imd Wahl aller Beamten durch das Volk als wünschenswerthbezeichnet. Die evangelische Geistlichkeit blieb mit ihren Wünschen