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Naturgeschichtliche Streifzüge / von Dr. P. Vogler (Professor an der St. Gallischen Kantonsschule) und Ch. Falkner (Lehrer an der Mädchenrealschule der Stadt St. Gallen)
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groß und stark geworden ist, merken wir, daß er sich nicht mehrausrotten läßt und daß er unerbittlich fortfährt, das ganze Ge-bäude zu zerstören. Aber der Efeu ist auch die wohlerzogeneSorge, er bedeckt sein Zerstörungswerk mit schönen, glänzendenBlättern. Und die Menschen lächeln mit strahlendem Angesicht,indem sie tun, als wüßten sie nicht, daß sie unter efeubedecktenRuinen umherwandeln.

7. Wiederum Frühling.

April.

Aprilwetter! Bald lachender Sonnenschein, bald klatschen-der Regen! Dazu warmer Föhn, der die letzten Schneefleckewegleckt. Schon prangt die Rosenbergseite im jungen Smaragd-grün der Wiesen, während der Freudenberg uns noch den unan-sehnlichen braungrünen Abhang zeigt. Bald wird zwar dieserGegensatz auch verschwunden sein; aber heute ist er noch rechtauffällig. Auch an den Fliederbüschen im Garten und den Ka-stanienbäumen im Park beginnen die Knospen zu schwellen; daund dort sind einige schon geplatzt; einige feuchtwarme Tagenoch, und überall wird uns junges Grün erfreuen.

Ein schöner Nachmittag lockt uns trotz der erschlaffendenFrühlingswärme hinaus; aber nicht bergwärts, talwärts ists be-quemer. Auf altbekanntem Wege gehts zunächst zumGold-brünnli beim Flurhof. Vom Brücklein aus fallen uns am rechtenUfer des hier rechtwinklig umbiegenden Bächleins dunkelgrüneBüsche auf es ist die grüne Nießwurz (Helloborus viridis) eineSeltenheit unserer Umgebung; sie ist nämlich nur hier (etwasweiter oben auch links vom Bächlein) zu finden. Als Bewohnerinfeuchter Standorte entwickelt sie große, fiederschnittige Blatt-flächen ; infolge der derben, lederartigen Beschaffenheit der Blättervermögen dieselben auch den Winter zu überdauern. Die großen,grünen Blüten sind zum Schutz des Blütenstaubes und des Ho-nigs nickend; noch sind die meisten geschlossen; aber es gelingtuns doch, einige offene Blüten zu sammeln. Was der Laie alsBlütenblätter zu betrachten gewohnt ist, das sind hier nur diegroßen, grünen Blätter des Kelches; an Stelle der Blumenblätteraber finden wir kleine Gefäße, die mit Honig gefüllt sind. DerKelch übernimmt also hier die Rolle der Blumenkrone, währenddie Blätter der letztem in Honiggefäße (Nektarien) -umgewandeltsind. Alle Teile der Pflanze enthalten als Schutzmittel gegen