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Lesebuch für die erste Stufe der Sekundarschule / hrsg. von der kantonalen st. gallischen Sekundarlehrer-Konferenz
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dass die Königin Übles im Sinne habe. Aber die Brüder hörtennicht auf seine Warnungen. Allzusehr vertrauten sie den ver-söhnlichen Worten, welche die Schwester vor dem Abschiedezu ihnen gesprochen, und mochten nimmer an Arglist glauben.Mit höhnender Antwort lohnten sie daher die Warnung und 5rieten ihm zurückzubleiben, wenn er Furcht hege. Das kränktezwiefach den Degen, der keine Furcht kannte und in zahllosenStürmen dem Tod ins Auge geschaut hatte, ihn, der aus Treuegegen sein Königshaus seine Seele mit Mord und mancher andernÜbeltat befleckt hatte. Unmutig entgegnete er also, dass ihn 10nunmehr nichts zurückhalten werde, die Fahrt mitzumachen,möge das Ende sein, welches es wolle. Nur darin gaben ihmdie Brüder nach, dass man die Boten hinzögern und bald nachihnen aufbrechen sollte, damit Kriemhilde nicht Zeit hätte, sichvorzubereiten, und dass man mit grossem, wohlbewehrtem Ge- 15folge reiten sollte. Tausend der besten Ritter und neuntausendKnechte wurden also aufgeboten, und wenige Tage, nachdem-Etzels Abgesandte sich beurlaubt hatten, verliessen auch dieBurgunden ihr Land.

21. Der Burgunden Fahrt ins Hunnenland. Am 20zwölften Tage gelangte die Schar an die Donau. Aber der Stromwar geschwollen und ging hoch und reissend zwischen den Ufern,also dass es nicht möglich war, die Furt zu benützen. Da rittHagen allein dem Ufer entlang, einen Fergen zu suchen, dersie übersetzte. Auf einmal hörte er Wasser plätschern, und 25wie er umherspähte, gewahrte er zwei Wassernixen. Hagenbegehrte Weissagung von ihnen zu hören. Da sprach die eine:Ihr werdet auf Eurer Fahrt in Etzels Land grosse Ehre ge-winnen. Damit war Hagen zufrieden. Die andere aber sprach:Meine Schwester hat dir fröhliche Mär gekündet; aber falsch 30war ihr Wort; jetzt sollst du die Wahrheit hören. Ihr alle müsstdas Leben lassen in Etzels Land; nur des Königs Kaplan wirdgesund nach Worms zurückkehren. Beharrt ihr aber trotz meinerWarnung bei eurem Willen, so will ich dir das Haus des Fergenzeigen. Bitte ihn aber bescheiden und nenne dich seinen Freund 35Amelrich; denn er ist ein reicher und gewaltiger Mann undmöchte dich sonst nicht überholen. Nun hätte Hagen wohldie Fahrt wenden können, wenn er seinem Herrn der Wasser-weiber Worte verkündet hätte. Aber weil man ihn feige ge-scholten hatte, wollte er trotzig beharren. Er begann also, mit 40