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104. Roland Schildträger.
D er König Karl sass einst zu TischZu Aachen mit den Fürsten;
Maft stellte Wildbret auf und FischUnd liess auch keinen dürsten.
Viel Goldgeschirr von klarem Schein,Manch roten, grünen EdelsteinSah man im Saale leuchten.
2. Da sprach Herr Karl, der starke Held:„Was soll der eitle Schimmer?
Das beste Kleinod dieser Welt,
Das fehlet uns noch immer.
Dies Kleinod, hell wie Sonnenschein,
Ein Riese trägt’s im Schilde sein,
Tief im Ardennerwalde.“
3. Graf Richard, Erzbischof Turpin,
Herr Haimon, Naims von Bayern,
Milon von Anglant, Graf Garin,
Die wollten da nicht feiern. 4
Sie haben Stahlgewand begehrtUnd liessen satteln ihre Pferd’,
Zu reiten nach dem Riesen.
4. Jung Roland, Sohn des Milon, sprach:„Lieb Vater! hört, ich bitte!
Vermeint Ihr mich zu jung und schwach,Dass ich mit Riesen stritte,
Doch bin ich nicht zu winzig mehr,
Euch nachzutragen Euern SpeerSamt Eurem guten Schilde.“
5. Die sechs Genossen ritten baldVereint nach den Ardennen;
Doch als sie kamen in den Wald,
Da täten sie sich trennen.
Roland ritt Unterm Vater her;
Wie wohl ihm war, des Helden Speer,Des Helden Schild zu tragen!