359
6. Bei Sonnenschein und MondenlichtStreiften die kühnen Degen;
Doch fanden sie den Riesen nichtIn Felsen und Gehegen.
Zur Mittagsstund’ am vierten TagDer Herzog Milon schlafen lagIn einer Eiche Schatten.
7. Roland sah in der Ferne baldEin Blitzen und ein Leuchten,
Davon die Strahlen in dem WaldDie Hirsch’ und Reh’ aufscheuchten;
Er sah, es kam von einem Schild,
Den trug ein Riese, gross und wild,
Vorn Berge niedersteigend.
8. Roland gedacht’ im Herzen sein:
„Was ist das für ein Schrecken!
Soll ich den lieben Vater mein
Im besten Schlaf erwecken?
Es wachet ja sein gutes Pferd,
Es wacht sein Speer, sein Schild und Schwert,Es wacht Roland, der junge.“
9. Roland das Schwert zur Seite band,Herrn Milons starkes Waffen;
Die Lanze nahm er in die HandUnd tät den Schild aufraffen.
Herrn Milons Ross bestieg er dannUnd ritt erst sachte durch den Tann,
Den Vater nicht zu wecken.
10. Und als er kam zur Felsenwand,
Da sprach der Ries’ mit Lachen:
„Was will doch dieser kleine FantAuf solchem Rosse machen?
Sein Schwert ist zwier so lang als er,Vorn Rosse zieht ihn schier der Speer,Sein Schild will ihn erdrücken.“
11. Jung Roland rief: „Wohlauf zum Streit!Dich reuet noch dein Necken!