Das Baucrnbrot im Emmental.
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(Ankebock) dar: „wottsch öppen oo?" Am Bauerntisch aber, wo eruntenan saß, lernte der Herrensohn alle Tage Neues. Er sah, wieoben am Tisch der wohlgenährte, behäbige Bauer den mächtigen Laibzerschnitt und dabei sorgsam über die Tasse hielt. Wie er nach demSonntagsmahl ob gemütlicher Zwiesprach voin blendend weißen Tisch-tuch mit nassem Finger die gefallenen Brosamen auftupfte und ge-mächlich zum Munde führte. An Werktagen war zu solcher Gemüt-lichkeit nicht Zeit. Aber wie sorgfältig bei aller Eile gingen Frauund Mägde und Kinder mit Brosamen und allen Resten um! Ergewahrte, wie Knechte und Mägde sich hüteten, den herumgebotenenLaib an sich zu pressen und da zu schneiden, wo es dem Munde zupassen schien. Als er aber einmal das Brot mit darin steckendemMesser weiter reichte, wies die Nachbarin es zurück: „I bi ke Häx!"Alles lachte, aber auf sein „Warum?" wußte keins Bescheid. — DerBursche soll nach zwei Jahren Meisterknecht, nach drei weiteren einPächter und großer Geschäftsmann geworden sein.
Unter den Hackern fällt uns eine dritte Gestalt auf. Etwas Schwer-fälliges liegt in diesen Bewegungen, etwas gutmütig Beschränktes indiesen Zügen. Aber als überall verschnpfter, nirgends gern gelittener,daher verbittert in sich verschlossener Güterbube hatte er einst gehört,sein Lehrer, die einzige Sonne seines Lebens, liege auf dem Todbett.Gas tat Peter? Er klaubte sein ganzes Guthaben zusammen: drei sauerverdiente Batzen, kaufte ein weißes Brötchen und trug es dem Krankenzu: „Sä, da hesch es Brktli, aber stirb mer nit!" (Marie Walden.)
Unterdessen wird das Dinkelfeld fertig bestellt; für die Bäuerinaber ist der Borabend eines großen Tages angerückt. Der Suppen-schüssel entnimmt sie den von der letzten „Bachchete" her aufgesparten„Hebel" (Sauerteig) und löst ihn in heißem Wasser auf. In denBacktrog (Muelte) schüttet der Bauer den Sack voll „ruuchs Mahl."In einer Ecke der Mulde aber muß dasselbe wieder einer Höhlung,dem „Gunggeli") weichen, worin Hebel und etwas Mehl zu einemBrei, der „Hebi", zusammengerührt werden. Die Hebi soll nunwährend der Nacht „uufgaa" und bewirken, daß die am folgendenMorgen mit ihr und mit Salz und Wasser vermengte ganze Mehl-masse zum „Habe" (Gären) gelange. Es hängt dies von tausendverborgenen kleinen Umständen ab, welchen auf die Spur zu kommenjahrelange Erfahrung und große Findigkeit voraussetzt. „Gutes Brotzu backen", sagt Gotthelf, „gehört zur Reputation einer Frau, undist einer der chutzlichsten Punkte." Drum war es aber auch ehemals,gleich dem Spinnen und Weben, ein Ehrenamt hoher Damen, undvon vornehmen jungen Töchtern erzählt der nämliche Bitzius: „DasBrot, das sie kneteten, war das kräftigste auf Erden."