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Lesebuch für die zweite Stufe der Sekundarschule / hrsg. von der kantonalen st. gallischen Sekundarlehrer-Konferenz
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die Vorbereitungen zu einer großen Entscheidungsschlacht handle.Von Genf und andern französischen Grenzorten zogen auf allenStraßen zahlreiche Hilfsscharen zu dem an der untern Aare undzwischen Reuß und Limmat liegenden fränkischen Heere heran, freilichmeistens blutjunge, bartlose Leute, die noch nie Pulver gerochen und 5nun marschierend aus den Straßen und den großen Dorfplätzen ein-exerziert wurden; aber trotz aller Unersahrenheit und Jugend warensie voller Zuversicht, da Massen«, der Liebling der Siegesgöttin, wieihn Bonaparte genannt, an der Spitze des Heeres stand. Nach derMitte des Septembers sah man auch große Wagenzüge, mit Schiffen 10beladen, gegen das Freiamt zufahren, die an der Aare aufwärtsbis an den Vieler- und Neuenburgersee zusammengesucht wordenwaren, über dem ganzen Lande lagen Angst und bange Erwartung.

Einer dieser mit Schiffen beladenen Wagenzüge machte Halt indem kleinen Freiämtler Dorfe Bünzen, das, etwa zwei Stunden von 15Bremgarten, dem damaligen französischen Hauptquartiere, entfernt,an der Bünz liegt, einem ziemlich großen Bache, der zur Regenzeitoft mächtig anzuschwellen vermag. Die Pontons wurden abgeladen,in den Bach gebracht und da an großen Pflöcken festgebunden. DieBünzener betrachteten das Schauspiel mit erschrockener Verwunde- 20rung. Solange die Bünz das Tal herabfloß, hatte ihr Wasser nochnie ein Schifflein gesehen, außer etwa, es hätte ein erfinderischerJunge ein solches aus Dachschindeln zum Spielzeug erbaut; wassollten nun plötzlich die zahlreichen und großen Fahrzeuge zu be-deuten haben? Diese Frage beantwortete den geängstigten Dorf- 25bewohnern der alte Nachtwächter, der Holländer-Steffen, der mehrals zwanzig Jahre in holländischen Diensten verlebt hatte und daherseinen Namen trug.Was das heißen soll?" sagte er ernst,milletonnerres die Franzosen wollen eine Schiffbrücke über die Bünzschlagen, weil sie daherum eine Schlacht zu liefern gedenken. Par- 30bieu da bin ich schon mehr dabei gewesen. Die Schiffbrücken schlägtman zum Avancieren und Retirieren; aber drum herum geht's immeram blutigsten her. Mille tonnerres, das muß ich am besten wissen."

Diese Auskunft des alten Kriegsmannes verbreitete im DorfeJammer und unsägliche Bestürzung. Wußten doch die Alten, wenn 35auch nur vom Hörensagen, noch genug zu erzählen, wie es damalshergegangen, als die Ländler und Berner vor neunzig Jahren drübenauf der Langelen sich geschlagen hatten. Die flüchtigen Katholischenkonnten sich nicht über die angeschwollene Bünz retten und mutztenihren Rückweg durch das Dörfchen nehmen; aber die welschen Berner 40

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