— 278
Christen, lebst du noch?" rief Elfi mit dem Tode auf den Lippen.Christen wollte sich erheben; aber er vermochte es nicht; die blutigeHand reichte er ihr, und Hand in Hand gingen sie hinüber in dasLand, wo nichts mehr zwischen den Seelen steht, die sich hier gefunden.
5 Die Franzosen sahen gerührt diesen Tod; die wilden Husaren warennicht unempfänglich für die Treue der Liebe. Sie erzählten derLiebenden Schicksal, und so oft sie es erzählten, wurden sie wehmütigund sagten, wenn sie gewußt hätten, was beide einander wären, beidelebten noch, aber in wildem Gefecht habe man nicht Zeit zu langen10 Fragen. Ieremias Gotthelf.
112. Die Freiämter Deputierten und General Massena.
Im Jahre 1799 sah es betrübt und bedenklich aus im Vaterlande,und es war Wohl nötig, daß der gemeine Mann oft mehr Klugheitzeigte als diejenigen, die ihm zu Regenten gesetzt waren. Die eigent-lichen Regenten indessen waren die Franzosen oder ihre im Landeli kommandierenden Generale, und die einheimischen Herren, welchebloß dem Namen nach regierten, konnten selbst zusehen, daß sie nichtirgendwo am unrechten Orte ein mißbeliebiges Wörtlein sprachen oderam rechten einen Bückling vergaßen. Schlimmer wurde es noch, alsder Franzos selbst nicht mehr alleiniger Regent blieb und vom Boden-
20 see her Österreicher und Russen heranrückten, die an der Regierungdes unglücklichen Landes ebenfalls ihr Teil haben wollten. Die Fran-zosen mußten sich vor dem mächtigen Anpralle des Gegners zurück-ziehen, und so standen bald auf dem rechten Ufer des Wallensees, dieLinth, den Zürichsee, die Limmat und Aare herab die Österreicher
2 1 und Russen, die Söhne der großen Nation auf dem andern Ufer.In der Stadt Zürich eilten die Kosaken auf ihren flinken Rößleindie steile Münstertreppe auf und nieder und streckten Kalmücken ihreLanzenspitzen nach den Fenstern empor, in der Meinung, man solleihnen ein Stück Brot daran stecken, während die französischen Grena-
30 diere auf der Höhe des Utliberges singend und kauderwelschend umdas Wachtfeuer saßen, an dem sie ein „requiriertes" Schaf brieten.
Dem französischen Obergeneral Massena, der damals im Städt-chen Bremgarten sein Hauptquartier hatte, gefiel indessen das Schwei-zerländchen viel zu gut, als daß er willens gewesen wäre, es mit35 dem Österreicher und Russen zu teilen; auch war er nicht der Mann,der einen empfangenen Schlag lange unerwidert gelassen hätte. Mankonnte daher diesseits des ütliberges bald merken, daß es sich um