Buch 
Deutsches Lesebuch für höhere Lehranstalten der Schweiz / von Jakob Baechtold
Entstehung
Seite
41
JPEG-Download
 

Der Bauer und sein Sohn.

41

auch sein armes Weib spann fremder Leute Faden. Der Frieder aber,der saß richtig vor dem Dorf, hielt einen Stecken in der Hand undwartete der Ziegen, oder band Besenreis auf den Verkauf.

Drei Jahre waren so vergangen, begab sich's einmal wieder, daßder König das Wildschwein jagte, und war auch die Königin diesmaldabei. Weil es aber Winterszeit war und sehr kalt, wollten dieHerrschaften das Mittagsmahl nicht gern im Freien nehmen, sonderndie königlichen Köche machten ein Essen fertig im Greifenwirtshaus,und speiste man im obern Saal vergnüglich, dazu die Spielleutebliesen. Das Volk aber stund auf der Gaffe, zu horchen. Als nun-mehr nach der Tafel die Pferde wieder vorgeführt wurden, undman auch das Leibroß der Königin zäumte, stund vornean derZiegenbub, der sprach gar keck zum Reitknecht hin:Das Roß istmeines Vaters Roß, daß ihr's nur wißt!" Da lachte alles Volklaut auf; der Braune aber wieherte dreimal vor Freuden und strichmit seinem Kopf an Frieders Achsel auf und nieder; dies alles sahund hörte die Königin vom Fenster hochverwundert und sagt' esgleich ihrem Gemahl. Derselbe läßt den Ziegenbuben rufen, unddieser tritt bescheidentlich, doch munter, in den Saal, mit Backenrosenrot, und war er auch sonst ein sauberer Bursche mit lachendenAugen, ging aber barfuß. Red't ihn der König an:Du sagtestja, das schöne Pferd da unten wär' deines Vaters, nicht?"Undist auch wahr, Herr, mit Respekt zu melden!"Wie willst du dasbeweisen, Bursch?"Ich will es wohl, wenn ihr's vergönnt. DenReitknecht hört' ich rühmen, das Roß ließe niemand aufsitzen, außerdie Königin, der es gehöre. Nun sollt ihr aber sehen, ob mir'snicht stille hält und nachläuft, wenn ich ihm Hansel rufe; darnachmögt ihr denn richten, ob ich die Wahrheit sprach." Der Königschwieg ein Weilchen, sprach dann zu einem seiner Leute:Bringtmir drei wackre Männer aus der Gemeinde her, damit wir hören,was sie dem Knaben zeugen!" Als nun die Männer kamen undüber das Pferd gefragt wurden, so fiel ihr Ausspruch nicht zuFrieders Gunsten aus. Da that der Knabe seinen Mund selbstaus und hub an, treu und einfältig die Geschichte vom Engel zuerzählen, wie er den Hansel entführte, auch wie er ihm unlängstwieder erschienen sei und ihm die unsichtbare Wiese gezeigt habe,welche den Hansel so stattlich gemacht. Darüber waren freilich dieAnwesenden hoch erstaunt, etliche blickten schelmisch, allein die Königinsagte:Gewiß, das ist ein frommer Sohn und steht ihm die Wahr-heit an der Stirn geschrieben." Der König selber schien dem Bubenwohlgesinnt, doch, weil er guter Laune war, sprach er:Das Prob-stück wollen wir ihm nicht erlassen." Hiermit rief er den Frieder