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Deutsches Lesebuch für höhere Lehranstalten der Schweiz / von Jakob Baechtold
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Der Ring des Polykrates. Die Kraniche des Jbykus.

10. Auch mir ist alles wohlgeraten;Bei allen meinen HerrscherthatenBegleitet mich des Himmels Huld;Doch hatt' ich einen teuren Erben,Den nahm mir Gott, ichsah ihn sterben;Dem Glück bezahlt' ich meine Schuld.

11. Drum, willst du dich vor Leid

bewahren,

So flehe zu den Unsichtbaren,

Daß sie zum Glück den Schmerzverleihn.

Noch keinen sah ich fröhlich enden,

Auf den mit immer vollen HändenDie Götter ihre Gaben streun.

12. Und wcnn's die Götter nicht

gewähren,

So acht' auf eines Freundes LehrenUnd rufe selbst das Unglück her;

Und was von allen deinen SchätzenDein Herz am höchsten mag ergehen,Das nimm, und wirf's in dieses Meer!"

13. Und jener spricht, von Furcht

beweget:

Bon allem, was die Insel heget,

Ist dieser Ring mein höchstes Gut.

Ihn will ich den Erinnycn weihen,

Ob sie mein Glück mir dann verzeihen."Und wirft das Kleinod in die Flut.

14. Und bei des nächsten Morgens

Lichte

Da tritt mit fröhlichem GesichteEin Fischer vor den Fürsten hin:Herr, diesen Fisch hab' ich gefangen,Wie keiner noch ins Netz gegangen;Dir zum Geschenke bring' ich ihn!"

15. Und als der Koch den Fisch

zerteilet,

Kommt er bestürzt herbeigeeiletUnd ruft mit hoch erstauntem Blick:Sieh, Herr, den Ring, den du getragen,Ihn fand ich in des Fisches Magen;O, ohne Grenzen ist dein Glück!"

16. Hier wendet sich der Gast mit

Grausen:

So kann ich hier nicht ferner Hausen,Mein Freund kannst du nicht weitersein.

Die Götter wollen dein Verderben;Fort eil' ich, nicht mit dir zu sterben."Und sprach's und schiffte schnell sich ein.

r>1. Die Kraniche des Jbykus.

Friedrich Schiller.

1. Zum Kampf der Wagen und

Gesänge,

Der auf Korinthus' LandesengeDer Griechen Stämme froh vereint,Zog Jbykus, der Götterfreund.

Ihm schenkte des Gesanges Gabe,

Der Lieder süßen Mund, Apoll;

So wandert' er, an leichtem Stäbe,Aus Rhegium, des Gottes voll.

2. Schon winkt auf hohem Berges-

rücken

Akrokorinth des Wandrers Blicken,Und in Poseidons FichtenhainTritt er mit frommen: Schauder ein.

Nichts regtsichumihnher,nurSchwärmeVon Kranichen begleiten ihn,

Die fernhin nach des Südens WärmeIn graulichem Geschwader zieh::.

3.Seid mir gegrüßt, befreund'teScharen,

Die mir zur See Begleiter waren!Zum guten Zeichen nehm' ich euch,Mein Los, es ist dem euren gleich.Von fern her kommen wir gezogenUnd flehen um ein wirtlich Dach;

Sei uns der Gastliche gewogen,

Der von dem Fremdling wehrt dieSchmach!"