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Deutsches Lesebuch für höhere Lehranstalten der Schweiz / von Jakob Baechtold
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Die Reise nach Ofterdingen.

zu fragen, noch zurechtzuweisen, so martialisch sah er aus. Er trugnämlich ein blaues Wämschen, mit mächtigen Puffärmeln und blaue,rotgestreifte Höschen, welche, in das Wämschen eingeknöpft, bis überdie Brust heraufgingen, auf dem Kopfe aber ein stattliches Samt-barett. Ferner hatte er sich ein Bandelier umgeschnallt, an welchemein gewaltiger Säbel hing. Man hatte die Wahl, ob man ihn füreinen Ritter oder Räuber halten wollte.

Wo die Lindenallee zu Ende ging, da kam eine breite, mitPappeln besetzte Fahrstraße daher, die bequem und lustig zu wandelnwar. Unser Held bedachte sich lang, fand sie aber endlich zu breitfür seine kleine Person, und da er bemerkte, daß der Fußpfad jen-seits in den Feldern fortlief, so schritt er getrost über die Straßehinüber und verfolgte den eingeschlagenen Weg. Der Fußpfad ginggerade mitten in die Welt hinein und in geringer Entfernung warbereits ein Dorf zu sehen. Wenn der kleine Herr größer gewesenwäre, so hätte er es schon von der Lindenallee aus erblickt; so abermußte er noch eine Strecke gehen, bis es ihm zuletzt ganz vor derNase lag. Auch hatte er die Gewohnheit, die Augen abwechselndauf den Boden und an den Himmel zu werfen, weshalb er oft dasAllernächste übersah, so z. B. den Stock mit der Tafel, woraus derName des Dorfes geschrieben war. Den entdeckte er erst, als erihm so nahe kam, daß er mit dem Kopf dagegen stieß und dasSamtbarett verlor. Er hob das Barett vom Boden aus und blickteden Stock verwundert an. Zwar merkte er wohl, daß auf der Tafeletliche Hühnerfüße gemalt waren, aber er hatte seine Gründe, sichnichts um diese zu bekümmern. Auf einmal sah er das Dorf, welchesgar nicht weit von dem Stocke stand. Wer konnte froher sein, alser? Jetzt hatte er schon die erste Station auf seiner Weltreise er-reicht, und alsbald beschloß er in seinem Sinne, das sei Ofterdingen.

O ihr, der Heimat dunkelste und verlorenste Sagen, flüstertes leise, was ihn dort Halt zu machen bewog! Wollte er etwanach dem großen Unbekannten, nach dem nie erforschten Heinrich vonOfterdingen spähen? Nein, der war ihm noch viel verborgener,als er es den gelehrten deutschen Männern, der deutschen SpracheKennern, bis zur Stunde geblieben ist. Sein Dichten und Trachtenwar nicht aus den Heinrich, sondern auf dasAppele" von Ofter-dingen, oder vielmehr auf ihren Vater gerichtet; denn sie selbst hatteer daheim zurückgelassen an seinem elterlichen Herd, wo sie in Treuenund Ehren den Besen führte. Eigentlich hieß sie Apollonia; aberdieser schöne Name wurde ihr nicht gegeben, sondern man nanntesie in der Volkssprache die Appel oder etwas zarter das Appele.Da man nicht immer sicher war, ob sie das Gesicht im Morgentau