Briefe aus Rom.
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neben ihm gefahren; sucht nur hübsch auf der Karte nach, da könntihr unsere Fahrt finden. Morgen kommen wir nach Trento; dafinde ich vielleicht und gewiß Nachricht von euch.
Lebt wohl, liebe Kinder, habt mich lieb, und seid gesund, undlebt mit eurer Mutter und dem ganzen Hause wohl! Es ist jetzt spät,und ihr werdet schon meistens in euren Bettchen schlafen. Schlaft wohl!
II.
Herder an seinen Sohn August.
Auch dir, mein lieber Prinz August, will ich heut schreiben;und zwar, weil du so ein feiner, artiger Knabe bist, von lauterschönen Göttern und Göttinnen. Vorigen Sonntag sahen wir dasMuseum des Vatikans mit der Fackel, die so und anders gewendetwird, daß die Statue recht ins Licht kommt; das war ein schönerAnblick! Da saß, als wir hereintraten, der große, schöne Herkules,dem aber Kopf, Arme und Füße fehlen; seine Muskeln, seine weiteBrust, sein schöner Rücken, seine tapfern Beine sind bis zum Leben.Wir gingen aber schnell in die lange Galerie zum großen Jupiter,der auf dem Thron sitzt. Er sah mit seiner gewaltigen Stirn, ausder die Weisheit heraustrat, auf uns wie ein sanfter, gütiger Vaterherunter. (Nicht weit von ihm stehen viele schöne Köpfe, unterdenen auch einer dem Herrn von Knebel sehr gleich ist. Du kannstihn grüßen und ihm sagen, daß bei lebendigem Leibe sein Kopfim größten Museum der Welt unter Göttern und Helden, unterKaisern und Philosophen stehe, und daß ich ihm daselbst meinentiefen Respekt bezeugt habe.) Weiterhin zur linken Hand, wennman vom Vater der Götter kommt, kam die schöne Jägern: Dianaauf uns zu; das ist eine so leichte, schöne, jungfräuliche, schlankeFigur, daß ich sie gerne mitnehmen und dem Luischen bringenwollte, daß sie auch eine so hübsche Person würde. Weiterhin kamein schöner, lieblicher Genius; da saßen und standen Frauen inmancherlei Stellung; eine schöne Heldin Amazone stand da; eintrauriger Adonis, an: Schenkel verwundet; da saß Paris gar breitund gemächlich, um der schönsten Göttin den Preis zu geben, undviele andere Gestalten. Auf der andern Seite stand Neptun mitseinem Dreizack. Da stand ein schöner Bacchus mit seinem umgestürztenKruge; da stand eine schöne Nymphe mit einer großen Schale inder Hand, auf die sie traurig hinabblickt, daher man sie auch dieweinende Danaide nennet. In einem Erkerchen stand eine schöneGöttin mit erhobenen Händen, die man Pietas nennet, auch nichtweit davon ein sehr treues Denkmal der ehelichen Liebe, Mann