Karl der Große.
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Es waren kurze Jahre, wo der gute Geist unserer Nation vondem Hofe des großen Fürsten so Helles Licht ausstrahlte, wie niemalsseitdem im Hause eines deutschen Herrschers, nicht unter der ritter-lichen Umgebung der Hohenstaufen und nicht unter den französischenSchöngeistern des großen Friedrich. Auch der Musenhof Weimars,an welchem sich merkwürdig ähnliche Verbindung der Dichter undGelehrten mit altern Hofbrauch vollzog, war doch nur die Stätte,wo geistige Helden der Nation gastlich gepflegt und eingebürgertwurden. Damals aber war es der Fürst selbst, der die Bildungseinem Volke schuf und das Wachstum der besten Geister mit väter-licher Sorge überwachte. Die Jüngeren alle waren seiner GedankenWerk, und die an seinem Hofe Verse machten und deutsche Geschichteschrieben, waren zugleich seine Staatsmänner, Gesandte, sogarHeerführer. Der gelehrte Angelsachse oder der gebildete Römer,welcher damals die Pfalz des Königs besuchte und befangen erwartete,vor das Angesicht des großen Königs geführt zu werden, fand indem Vorzimmer eine Zahl von Männern versammelt, die wohl wertwaren, daß er sie mit Anteil betrachtete und ihrer Rede lauschte.Die Blüte des Hofes, Edle und Gelehrte, Lehrer oder frühereSchüler der Hofschule, bildeten einen vertrauten Kreis, in dem sichder König mit seinen Kindern am freudigsten bewegte; denn dieseVertrauten standen mit der königlichen Familie in einem zwanglosenpoetischen Verein zu geselliger Förderung in Wissen und Kunst, derallerdings mit den spätern Akademien wenig gemein hat. Jedererhielt darin einen oder mehrere Beinamen, nach einem Brauch,den Alkuin aus der Schule von Dort mitgebracht hatte. Der Zweckdes Kränzchens war wohl kein anderer, als gebildete Unterhaltung;seine Bedeutung für die Gelehrten und die Zeitbildung doch sehr groß.
Schon unter den Merovingern war ein Ceremoniell des Hofesausgebildet, auf Rang und Hofwürde wurde eifrig gehalten. Aberzwischen den reichgekleideten Hofleuten standen priesterliche Gelehrtein der weißen Dalmatica, angelsächsische Mönche in der Tracht desheiligen Benedikt, dunkle Schottenmönche aus Irland, barbeinig mitrohen Ledersandalen. Die Ankommenden empfing der OberkämmererMeginfried, für den Tagesverkehr des Hofes der erste Würdenträger,— in der Akademie führte er den Schäfernamen Thyrsis, — einkluger, gewandter Herr mit kahlem Scheitel, den noch spärlich dasrötliche Kraushaar umgab. Immer zum Herrendienst bereit, eifrigund behend, hörte er die Worte der Bittenden; hier überging er,dort neigte er freundlich sein Ohr, er lud zum Eintritt, er empfahlzu warten, leise und in Ehrfurcht that er seine Pflicht und standbeim Empfange unverdrossen am königlichen Thron, vorzustellen und