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Deutsches Lesebuch für höhere Lehranstalten der Schweiz / von Jakob Baechtold
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153
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Karl der Große. Graf Rudolf von Habsburg. 153

der Kaiser sagte darauf in seiner belehrenden Weise:Jetzt weißtdu, weshalb ich als der erste schon bei Tage mit meiner Mahlzeitbeginnen muß."

War die Mahlzeit in der ersten Halle beendet, und speistedas Gefolge, dann blieben die Auserwählten in gelehrtem Kränzchenbeisammen. Dann saß der König, der den akademischen NamenDavid führte, in Mitte seiner Kinder und Gelehrten. Hier wurdenlateinische Gedichte vorgelesen, welche abwesende Mitglieder desVereins eingesandt hatten, Verse der Alten wurden erklärt, auchwissenschaftliche Fragen gestellt und Rätsel aufgegeben; die Töchterdes Königs spielten zur Harfe und Laute und sangen in neuenWeisen. Ach, es war in unseren Augen eine sehr dürftige lateinischeBildung, die erste Renaissance in Deutschland, emsig war die Seeleder Deutschen bemüht, nach antiken Mustern zu schaffen, in engemAnschluß an Sprache und Darstellung der römischen Vorbilder. Undwer den größten Vorrat von alter Kunst in sich aufgenommen hatte,der wurde angestaunt, und er behielt doch wahrscheinlich am wenigstenvon deutscher Natur. Auch darin war König Karl größer als seineGelehrten, denen er bewundernd zuhörte; die Gesundheit seinesEmpfindens erhielt ihm die Liebe zu dem heimischen Sänge, derden Gelehrten für kunstlos und barbarisch galt, weil er alle Tageaus den Straßen klang. Er ließ auch die deutschen Lieder, in denendie Großthaten der Frankenkönige besungen wurden, sammeln undniederschreiben. Und so lange die deutsche Sprache besteht, wirdder Schmerz immer neu empfunden werden, daß es seinem Wunschenicht gelang, diese Sammlung auf spätere Geschlechter zu bringen.Noch in unserem Jahrhundert hat man in allen Ecken alter Biblio-theken die Handschrift gesucht. Vielleicht wurde sie bereits von seinemSohne Ludwig vernichtet, der den heidnischen Volksgesang nicht leidenmochte.

5t). Graf Rudolf von Habsburg.

Aegidius Tschudi.

Dero Zit reit Graf Rudolf von Habspurg (Harnach Künig)mit sinen Dienern ufs Weid-Werk gen Beizen und Jagen, und wieer in ein Ouw kam allein mit sinem Pferd, hört er ein Schellenklingeln; er reit dem Getön nach durch das Gestüd, ze erfaren,was das wäre; do fand er ein Priester mit dem hochwürdigenSacrament und sin Meßner, der ihm das Glögkli vortrug. Dosteig Graf Rudolf von sinem Pferd, kniet nider.und thet dem h.Sacrament Reverenz. Nun was es an einem Wässerlin, und stellt