282 Die Vergänglichkeit. — Geisterbesuch auf dem Feldberg.
Au d'Milchstroß uf in die verborgni Stadt.
Und wenn de sitwärts abe luegsch, was siehsch?
E Röttler Schloß! Der Belche stoht verchohlt,
110 Der Blauen au, as wie zwee alti Turn,
Und zwische drinn isch alles use brennt,
Bis tief in Boden abe. D'Wise hetKe Wasser weh, 's isch alles öd und schwarzUnd totestill, so wit me luegt — das siehsch,
115 Und seisch dim Kamerad, wo mitder goht:
„Lueg, dört isch d'Erde gsi, und seile BergHet Belche gheiße! Nit gar wit dervoIst Wislet gsi, dört hani au scho giebt,
Und Stiere gwettet, Holz go Basel gfüehrt120 Und broochet, Matte graust und Liechtspöh gmachtUnd gvätterlet bis an mi selig EndUnd möcht jez nümme hi." Hüst, Lanbi, Merz!
105. Geisterbesuch aus dem Feldberg.
Johann Peter Hebel.
Hani gmeint, der Denglegeist, ihr Chnabe vo Todtnau,
Sei e böse Geist, jez wüßti andere Bricht z'ge.
Us der Stadt das bini und will's au redli bikenne,
Mengem Chaufher verwandt, vo sibe Suppe ne Tünkli,
5 Aber e Sunntigchind. Wo näume luftigi GeisterUfem Chrüüzweg stöhn, in alte Gwölbere huuseUnd verborge Geld mit füürigen Auge hüete,
Oder vergösse Bluet mit bittere Thräne wüscheUnd mit Grund verscharre, mit rote Nägle verchratze,
10 Sieht's mi Aug, wenn's wetterleicht. Sie wimsle gar sölli.
Und wo heiligi Engel mit schöne blauen AugeIn der tiefe Nacht in stille Dörfere wandle,
An de Fenstere lose und, höre sie lieblige Rede,
Gegen enander lächlen und an de Huusthüre sitze15 Und die stumme Lüüt im Schlof vor Schade biwahre,
Oder wenn sie, selb ander und dritt, us Gröbere wandleUnd enander sage: „Do schloft e treui Mueter,
Do en arme Ma, doch het er niemes betröge;
Schlafet sanft und wohl, mer wennich wecke, wenn's Zit isch!" —
20 Sieht's mi Aug im Sterneliecht, und höri sie rede.
Menge chenni mit Name, und wemmer enander bigegne,
Biete mer is d'Zit und wechsle Reden und Antwort:
,,Grüeß di Gott! Hesch gueti Wacht?" — „Gott dank der! So zimli."Glnubet's oder nit! — Ne mal, se schickt mi de Vetter