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Deutsches Lesebuch für höhere Lehranstalten der Schweiz / von Jakob Baechtold
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Geisterbesuch auf dem Feldberg. Die Häfnet-Jungfrau.

Bhüet di Gott und halt di wohl!" Druf sagt:Her Engel!

Bhüet di Gott der Her und zürn nüt! Wenn de in d'Stadt chunnsch165 In der heilige Zit, se bsnech mi, 's soll mer en Ehr st!

's Stöhn der Rosinli z'Dienst und Hypokras, wenn er di anim» t.D'Sterneluft isch ran, absunderlig nebe der Birsig."

Drüber.graut der Tag, und richtig chummi go Todtnau,

Und gang wieder Basel zue im lieblige Schatte.

170 Woni an Mambach chumm, se trage st 's Meiddeli use,

Mitem heilige Chrüüz und mit der verblichene Fahne,

Mitem Chranz am Totcbaum und brieggen und schluchze.

Hent der's denn nit g'hört! Er will's jo wecke, wenn's Zit isch.

Und am Zistig druf, se chummi wieder zum Vetter;

175 d'Tubakdose Hain richtig näume lo lige.

106. Die Häfnct-Jirngfrau.

Johann Peter Hebel.

Vetter, wo simmer doch echterst? Bald glaubt, mer feige verier.i.

's Schlagt kei Uhr, me hört ke Guhl, es lüütet ke Glocke;

Wo me lost und wo me luegt, se findt me ke Fueßtritt.

Chömmct do das Wegli ab! Es isch mer, mer feige5 Nümme wit vorn Häfnet-Bugg. Tust gruset's mer, wenn!

Drüber mucß! jez wär! froh! Der Sunne no möcht esSchier gar Zehnt sy. Scl wär kei Fehler, mer chämeAlliwil no zitli gnueg go Steine bis Mittag.

Geltet, was hani gseil! Gottlob, da simmer am Häfnet10 Und jez weißi Weg und Steg. Der hent doch au betet

Hütte früej. will's Gott und hentich gwäschcn und d'Hoor gstrehltMitem Richter? Mengmol müen au d'Finger der Dienst thue,

Und der sehnt mer schier so us. Je, Vetter, i warnich!

Wemmer bim Brünne sin, me würdich waschen und strehle.

15 's Stoht im Wisethal und in den einseme Matte

No ne Hus, me seit ein numme 's Steinemer Schlößli.

's Thuet de Hamberchslüten und 's thuet de Buure, wo gfrohnt hen,Bis es gstanden isch mit sine Stapften am Gibel,

Au kei Zahn me weh. Doch lige sie rüeihig im Bode,

20 d'Häfnet Jumpfere nit, wo vor undenkliche ZiteIn dem Schlößli ghuset het mit Vater und Muctter.

's Isch e Zwingherr gsi und 's het des Frohnes kei End gha,

Bald ufs Tribe, bald zum Bauen oder an Acker,z'Nacht zum Hüeten ins Feld; und het der Zwingherr und d'Zwingfrau25 Nüt mch gwüßt, isch d'Tochter cho, ne zimpferig Dingli,

Miteme Zuckergsicht und marzipanene Hälsli.

Bald het ein go Basel inüeßen oder no witers,

Salbe hole, das und deis zum Wäschen und Strehle,

Schlich mit gstickte Bluemen und chosperi goldeni Chappc