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Deutsches Lesebuch für höhere Lehranstalten der Schweiz / von Jakob Baechtold
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Stimmungsbilder. D'r Friesenwäg.

Nun sieht man Silberwölkchen zieh'n,

Es säuselt in verhalt'nem Weh'nEin Lufthauch fromm und sanft dahin,

So ganz, als wäre nichts gescheh'n.

Des Himmels blau und rein GebildSchaut lächelnd auf das Wrack im See;

So schaut ihr Auge blau und mildHerab auf meines Herzens Weh.

2 .

Rings Wald und Moor. Wie schwül die Luft!Die Wildnis hier, wie abgelegen!

Gleich einer dunkelgrünen GruftGähnt schweigend mir der See entgegen.

Ein Wasserhuhn huscht scheu emporUnd duckt sich wieder unterm Schilfe:

Gedehnt und wimmernd tönt vom MoorEin Laut oft, wie ein Ruf um Hilfe.

Ein Geier schwebt mit schrillem PfiffHoch über meinem Haupt im Blauen...

Am Strande liegt ein leckes Schiff,

Wie eine Leiche anzuschauen.

Und fernher kalt und feierlich

Ragt das Gebirg mit seinen Gletschern;

Es spiegelt in den Wellen sich,

Die ums versunk'ne Pfahldorf plätschern.

134. D'r Frie,enw«ig.

Johann Jak(In der Mundart1. D'r Chüjer seit zum Meister-chnächt:

I d's Thal embrrff grad wollt' ichg'schwind,

Es blanget mich nah Wyb u Chind,Jetz acht mir zu mym Sachli recht!'

Un eis vor allmu mueßt mir losen,

Süst bist du z'Hand^ in bösen Hosen:Bschlüß d'Stallthürnit,i wollt's nithan,La's wyt u wagen ^ offen stahn!

ob Romang.des Saanenthals.)

Es ist nit Blug 4, es ist mir Acrist,Uens's Stefeli" ist hie etwärisU'

Grad buwes ^ uf en Friesenwäg,Drum bschlüß nit, ol ^süst bist nit zwäg!

2. Vor schüfter^ grusam alter ZrstIst d's Friesenvolch i d's Ländli chon,Het Bhusig hie u Triftig ^ g'non,Wahar das chon ist, weiß mu nit.Hergägcn ghört van Zyt zu ZytenMu's dütlich in den Bergen tüten;