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Deutsches Lesebuch für höhere Lehranstalten der Schweiz / von Jakob Baechtold
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St. Niklaus-Spruch. Brandolf von Stein.

Damit viel Garns die Klunglerin^ sind;Und nimm den Hirz^, die Täsch^das Kind"!Noch eins ist hie in diesem Gsind:Das ist des Aettis^ Veritas;

Es ist mir lieb und sag ihm das,

Daß ich drei Mangel an ihm find,Snnst wär es wit das sinist Kind;Z'Nacht will's mit keim Lieb^ nieder-gan,

Noch, so man ihm Rat thust", stillstau.

Es spinnt fast^ fin und nit zuv grob,Wann es nur saß und blib darob.Thuo, was dich heißt din MüetterlinUnd nimm dir auch din Pörzlin hin!Das Geld und Zucker teilend glich!Gott geb üch z'leben seligklich!

(Zu den Knaben:)

Ihr Gäuch, was lärmend ihr so lut!Ich mein, ich müeß üch über d'Hut.

Du Stoffel, Geini", thuo d'Goschen^zuo,

Ulekunz, Heinis hab du Ruo!DerRuodi^" hatsich dannen gschwänzt^stSunst würde ihm auch sin Sentenz^.Nun kibend^^ nit und lernend gern,Daß ihr nit seiend hür als fcrn^!Der Knab sich übertreffen sollIn Tugend und sich schicken wohl;

So wird er wert und kummt zu Ehren,Sin Glück und Heil wird sich vermehren.Das geb üch Gott und denkend dran:Sankt Niklaus ist ein scltsen ^ Mann.Er seit ^ üch hie den rechten Grund:Hend reine Hand und stillen Mund!Gott geb üch, daß ihr seiend gsund,Und nehm' ein jed's ein Pfenning hin,Der hvbschist soll des Müetterlis sin!Das Brücderli soll auch einen nennstDem Elsbeth sollnd ihr einen gen^!Damit so bhüet üch alle GottVor allem Leid, vor Schand und Spott!

Erläuterungen: 'Ein Backwerk in Gestalt eines Horns, ohne ZweifelgleichHirzehörnli" (Hirschhörnchen). ^ Ebenso; vgl. die in Zürich noch jetzt feil-gebotenenPastetenmannen" aus Pastetenteig und den SolothurnerGrittibenz"."Wenn er nicht zu früh (zum Bett) heraus wollte. ''Kalt; eigentlich Interjektionzum Ausdruck des Kältegefühls. "Du gehst gerne zu Bette. "Schüttle der Kunkel(dem Rocken) das Gefieder, d. h. spinne fleißig! 'Kopf; hier der Flocken amSpinnrocken. "Gespensterhaste Frau (eigentlich die Frau Berchta unserer heidnischenAhnen), die, auf der zürcherischen Landschaft von einem wilden Heere (den jungenBurschen des Dorfes, welche mit Peitschen, Schellen, Ketten, eisernem Geschirreinen grauenhaften Lärm machen) begleitet, herumzieht, und sich nach der Arbeitder Mädchen umsieht, diejenigen bestrafend, welche nicht vor der Festzeit abge-sponnen haben, indem sie ihnen das Gespinst verwirrt (daher der Name; vgl.Klungeli Knäuel). "Hirz, vielleicht ebenfalls ein Gebäck (s. oben '), oder einSpielzeug. "Schultasche. "Puppe. "Vater. "Um alle lieben Worte nicht, dieman ihm gibt. "Wenn man es kämmt und wascht. "Recht, sehr. "Portiönchen."Der immer gähnt. "Maul, Mund. "Ulrich, Konrad, Heinrich. "Rudolf."Sich aus dem Staub gemacht. "Strafspruch (Endurteil). "Schmollet, zanket."Dieses Jahr nicht so (unwissend) wie im letzten seid. "Seltsamer. "Sagt."Nehmen. '"Gehim.

141. Brandolf von Stein.

Adolf Frey.

An die Mauern rasseln schwere Leitern,

Auf den Sprossen drängt's und tobt's von Streitern;Doch der Willkomm scharfer HellebartenStößt die Welschen von den steilen WartenAuf der Beste Jverdun.