Beowulf.
2
kund, doch sorgten alle um den Degen, da er nicht von seinem Willenließ und am Abend allein mit seinen Genossen in der Halle blieb, desUnholds wartend. Da stieg Grendel aus dem Sumpfe heraus, undder Riesensohn kam daher gegangen, rannte gegen die Tür und riß siemit den Fäusten auf, obwohl sie fest verriegelt war. Aus den Augenschoß ihm das helle Feuer. Da sah er in der Halle schlafen der HeldenMenge. In grimmer Hast ergriff er einen, schliß ihn auf, zerbiß dieGebeine, trank das Blut aus den Adern und verschlang ihn. Docheiner wachte, und als jener weiter schritt und nach dem Helden dieHand ausstreckte, da fühlte er gleich, daß er noch einen Mann aufdem Erdringe fand von härterem Griffe. Beowulf hatte, auf den Armsich stützend, behende an der Faust den Feind gefaßt; nun erhub er sich,Furcht ergriff den Bösewicht, er wollte entfliehen, aber konnte nicht.Es dröhnte die Halle unter den Tritten der Kämpfer und drohte inTrümmer zu fallen; manch goldgeschmückte Bank ward zertreten.Grendel erhub ein grausiges Wehgeschrei; Schrecken befiel die Burg-bewohner. Der Held hielt ihn fest in Todes Haft. Da sprangen demUnhold die Sehnen an der Achsel, und die Gelenke barsten, Grendelfloh, zum Tode wund; aber Beowulf behielt zum Siegeszeichen Armund Achsel. Die Nägel an den Fingern waren starr und hart wieStahl. — Da ward ein hohes Fest mit Freuden wieder in der Hallebegangen; unter Sang und Klang, beim Mahle und frohen Trink-gelage ging der Tag dahin. Beowulf und jedem, der mit ihm kam,reichte der König viele edle Geschenke und Kleinode zum Lohne. AmAbend legten sich die Helden in großer Zahl, wie sie früher oft getan,schlafen auf die Polster der Bänke, Schilde, Helm und Panzer zuHäupten. Keiner gedachte weiteren Unheils.
Doch Grendels Mutter, ein entsetzliches Weib, gedachte ihresLeides und der Rache für den Sohn. Sie kam zu dem Saale, wodie Helden schliefen. Alles fuhr auf, als sie herein schlich; manchesSchwert ward gezückt; da wollte sie fliehen, doch einen der Edelingeergriff sie noch, den liebsten Mann des Königs, und schleppte ihnmit sich zum Sumpfe. Von neuem erfüllte Klage und Wehruf dieBurg, und die Sorge war erneut. Hroodgar hieß Beowulf in seineWohnung kommen, und trauernd sprach er zu ihm: „Alle Hoffnung,Held, steht auf dir; obwohl du die Gegend, wo der Wicht haust,nicht kennst, so suche ihn doch, wenn du Mut hast, und rette uns!"Beowulf antwortete: „Sei nicht in Kummer, auf! suchen wir GrendelsVerwandten! Ich verspreche dir, entkommen soll er nicht, weder unterdie Erde, noch in den Wald, noch in das Meer." Da stieg dergreise König zu Roß, und weit durch den Wald zog die Männer-schar an Heu Vorgebirgen hin auf schmalen Pfaden, bis sie zwischen