Aus Shakespeares Julius Cäsar.
427
Satt schwelgen, euch zu Knechten frech entwürdigen,
Ihm dürfe, so ward eurer Stadt es kundgetan,
Niemand ein Grabmal schmücken, noch ihm Klage weihn!
Nein, unbestattet lieg' er, zur Verstümmelung,
Zum Fraß für Hund' und Vogel, graunvoll anzusehn!
So lautet denn mein Wille; niemals werden wirDem Schlechten Ehre geben vor dem Redlichen;
Doch wer da wohlwill dieser Stadt, der wird im TodUnd Leben gleicherweise stets von mir geehrt.
Der Chor. Dir, Sohn Menökeus', Kreon, ist es so genehmMit dieses Landes Gegner und mit seinem Freund!
Denn jede Satzung anzuordnen steht dir frei,
So für die Toten, wie für uns, die Lebenden.
141. Aus Shakespeares Julius Cäsar.
Uebersetzt vou August Wilhelm Schlegel.
Dritter Auszug.
II. Szene.
Das Forum.
iBrutuS und Casfius kommen mit einem Haufen Volkes.!
Bürger. Wir wollen Rechenschaft, legt Rechenschaft uns ab!Brutus. So folget mir und gebt Gehör mir, Freunde!
Ihr, Casfius, geht in eine andre StraßeUnd teilt die Haufen!
Wer mich will reden hören, bleibe hier;
Wer Casfius folgen will, der geh' mit ihm!
Wir statten Gründ' ab des gemeinen Wohls,
Von Cäsars Tod.
Erster Bürger. Ich will den Brutus hören.
Zweiter Bürger. Den Casfius ich; so können wir die GründeVergleichen, wenn wir beide angehört.
(Casfius mit einigen Bürgern ab. Brutus besteigt die Rostra.)
Dritter Bürger. Der edle Brutus steht schon oben, still!Brutus. Seid ruhig bis zum Schluß!
Römer! Mitbürger! Freunde! Hört mich meine Sache führenund seid still, damit ihr hören möget! Glaubt mir um meiner Ehrewillen und hegt Achtung vor meiner Ehre, damit ihr glauben mögt!Richtet mich nach eurer Weisheit und weckt eure Sinne, um desto besserurteilen zu können! Ist jemand in dieser Versammlung, irgend einherzlicher Freund Cäsars, dem sage ich: des Brutus Liebe zum Cäsar