Buch 
Deutsches Lesebuch für höhere Lehranstalten der Schweiz / von Jakob Baechtold
Entstehung
JPEG-Download
 

Vorwort M fünften Ansinge

Was im Vorwort zu der gleichzeitig erscheinenden neunten Auf-lage des ersten Bandes von BächtoldsDeutschem Lesebuch" überden Umfang und Zweck der Neubearbeitung gesagt ist, gilt auch fürdie vorliegende fünfte Auflage des zweiten Bandes. Auch hier wardie Hauptaufgabe des Herausgebers eine Auffrischung des Lesestoffsdurch neuere Literatur. Aber auch hier sollte der allgemeine Charakterdes Werkes gewahrt bleiben. Deshalb sind die von Bächtold am meistenbevorzugten Dichter, Goethe, Schiller, Uhland, Lenau, Keller,Meyer, Geibel, auch in der neuen Auflage durch die größte Zahlvon Lesestücken vertreten, Eichendorsf, Mörike, Storm, Heyse undKeller durch ein oder zwei Stücke mehr als bisher.

Natürlich mußte der Raum für neuen Stoff durch Weglassungzahlreicher, zum Teil umfänglicher Nummern gewonnen werden. Amwenigsten Bedenken machte die Streichung der literarhistorischen oderkritischen Aufsätze von Hettner, Weltlich und Scherer, an deren Stellebloß das musterhafte Kapitel aus Viktor Hehns bekanntem Buche,über Zeit und Ort inHermann und Dorothea" gesetzt wurde. Schonetwas schwerer fiel es dem Herausgeber, einige Dichter wie Körner,Platen, Rückert, Kinkel, Strachwitz, Lingg von ihren Ehrenplätzen zuverdrängen. Allein Dichternamen wie Annette von Droste undFriedrich Hebbel, Martin Greif und Theodor Fontäne konntenteils ältere, teils bessere Rechte geltend machen, und unter dem neuenGeschlecht traten poetische Talente in den Vordergrund, die auch fürdie Jugend gut genug sind; ich nenne von Deutschen nur Detlevvon Liliencron, Gustav Falke, Arno Holz, Ferdinand Ave-narius, nicht zu vergessen einiger Prosaisten, die einen sowohl fürihre Person als für unsre Zeit charakteristischen Stil ausweisen, wieBismarck, Naumann und Potenz. Daß auch die schweizerischeLiteratur der Gegenwart zu Ehren gezogen wird, versteht sich indiesem Buche von selbst, und es bedarf glücklicherweise keines natio-