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Deutsches Lesebuch für höhere Lehranstalten der Schweiz / von Jakob Baechtold
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383
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Sonnenuntergang. Heidebild. Abend.

383

111. Sonnenuntergang.

Von Friedrich Hölderlin.

Wo bist du? Trunken dämmert die Seele mirVon aller deiner Wonne; denn eben ist's,

Daß ich gelauscht, wie goldner TöneVoll der entzückende SonnenjünglingSein Abendlied auf himmlischer Leier spielt';Es tönten rings die Wälder und Hügel nach;Doch fern ist er zu frommen Völkern,

Die ihn noch ehren, hinweggegangen.

112. Heidebild.

Von Detlev von Liliencron.

Die Mittagsonne brütet auf der Heide;

Im Süden droht ein schwarzer Ring.

Verdurstet hängt das magere Getreide;

Behaglich treibt ein Schmetterling.

Ermattet ruhn der Hirt und seine Schafe;

Die Ente träumt im Binsenkraut;

Die Ringelnatter sonnt in trägem SchlafeUnregbar ihre Tigerhaut.

Im Zickzack zuckt ein Blitz, und WasserflutenEntstürzen gierig dunklem Zelt.

Es jauchzt der Sturm und peitscht mit seinen RutenErlösend meine Heidewelt.

<Vgl. Nr. IIS.»

113. Abend.

Aus demFaust" von Johann Wolfgang Goethe.

Betrachte, wie in Abendsonne-GlutDie grünumgebnen Hütten schimmern!

Sie rückt und weicht; der Tag ist überlebt;

Dort eilt sie hin und fördert neues Leben.

5 O! daß kein Flügel mich vom Boden hebt,

Ihr nach und immer nach zu streben!

Ich säh' im ew'gen AbendstrahlDie stille Welt zu meinen Füßen,

Entzündet alle Höhn, beruhigt jedes Tal,