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Deutsches Lesebuch für höhere Lehranstalten der Schweiz / von Jakob Baechtold
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Das Gut des Büttnerbauern.

in denen nichts wiedertönt, als Münz und gnädige Worte, in denennichts weht, als Neid und Angst, in denen nie ein Stern am Himmelaufgehen wird, nichts, gar nichts, als höchstens einmal ein Titel oderein Ehrenbecher oder eine Gratifikation?

31. Das Gut -es Büttuerbauern.

Aus dem RomanDer Büttnerbauer" von Wilhelm von Polenz.

.... Endlich war Gustav fertig mit Essen. Zur Freude seinerMutter hatte er reine Wirtschaft gemacht. Sich streckend und gähnend,meinte er, daß es in der Kaserne so was freilich nicht gäbe.

Inzwischen war der alte Bauer erwacht.War Gustav doe?"fragte er, sich mit leeren Augen umsehend. Als er gehört hatte, daßGustav bereits abgegessen habe, stand er auf und erklärte, mit ihmhinausgehen zu wollen, auf die Felder.

Der junge Mann war gern bereit dazu. Er wußte sowieso nicht,wie er den langen Sonntagnachmittag verbringen solle.

Der Bauernhof bestand aus drei Gebäuden, die ein nach derSüdseite zu offenes Viereck bildeten. Das Wohnhaus, ein geräumigerLehmfachwerkbau, mit eingebauter Holzstube, ehemals mit Stroh ge-deckt, war von dem jetzigen Besitzer mit Ziegeldach versehen worden.Mit dem schwarzgestrichenen Gebälk und den weiß abgeputzten Lehm-vierecken zwischen den Balken, den unter erhabenen Bogen, wie mensch-liche Augen, versteckten Dachfenstern, blickte es sauber, freundlich,altmodisch und gediegen drein. Die Winterverpackung aus Moos,Laub und Waldstreu war noch nicht entfernt worden. Das Hauswar wohl versorgt; die Leute, die hier wohnten, das sah man, liebtenund schützten ihren Herd.

Unter einem langen und hohen Dache waren Schuppen, Banseund zwei Tennen untergebracht. Ein drittes Gebäude enthielt Pferde-,Kuh- und Schweineställe. Scheune wie Stall wiesen noch die alt-hergebrachte Strohbedachung auf.

Die Gebäude waren alt, aber gut erhalten. Man sah, daß hierGenerationen von tüchtigen und fleißigen Wirten gehaust hatten. JederRitz war zugemacht, jedes Loch beizeiten verstopft worden.

In der Mitte des Hofes lag die Düngerstätte, mit der Jauchen-pumpe daneben. Am Scheunengiebel war ein Taubenhaus eingebaut,welches eine Art von Schlößchen darstellte; die Türen und Fensterdes Gebäudes bildeten die Ein- und Ausfluglöcher für die Tauben.Ein Kranz von scharfen, eisernen Stacheln wehrte dem Raubgetierden Zugang. In dem offenen Schuppen sah man Breitwagen, Leiter-