Die Nibelungc.
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an die Linde gelehnt, und schießt ihn dem Helden durch das Kreuzes-zeichen, daß sein Blut an des Mörders Gewand spritzt. Hagenflieht, wie er noch vor keinem Manne gelaufen. Siegfried springtauf, die Speerstange ragt ihm aus der Wunde, den Schild rafft erauf, denn Schwert und Bogen trug Hagen weg; so ereilt er denMörder und schlägt ihn mit dem Schilde zu Boden. Aber demHelden weicht die Kraft und Farbe, blutend fällt er in die Blumen;die Verräter scheltend, die seiner Treue so gelohnt, und doch Kriem-hilden dem Bruder empfehlend, ringt er den Todeskampf.
In der Nacht führen sie den Leichnam über den Rhein. Hagenheißt ihn vor Kriemhilds Kammertür legen. Als man zur Metteläutet, bringt der Kämmerer Licht und sieht den blutigen Toten, ohneihn zu erkennen. Er meldet es Kriemhilden, die mit ihren Frauenzum Münster gehen will. Sie weiß, daß es ihr Mann ist, nochehe sie ihn gesehen; zur Erde sinkt sie, und das Blut bricht ihr ausdem Munde. Der alte Siegmund wird herbeigerufen; Burg undStadt erschallen von Wehklage. Am Morgen wird der Leichnam auseiner Bahre im Münster aufgestellt. Da kommen Günther und dergrimme Hagen; der König jammert. „Räuber", sagt er, „habenden Helden erschlagen." Kriemhild heißt sie zur Bahre treten, wennsie sich unschuldig zeigen wollen; da blutet vor Hagen die Wundedes Toten. Drei Tage und drei Nächte bleibt Kriemhild bei ihm;sie hofft, auch sie werde der Tod hinnehmen. Meßopfer und Gesangfür seine Seele rasten nicht in dieser Zeit. Als darauf Siegfried zuGrabe getragen wird, heißt Kriemhild den Sarg wieder aufbrechen,erhebt noch einmal sein schönes Haupt mit ihrer weißen Hand, küßtden Toten, und ihre lichten Augen weinen Blut. Freudlos kehrtder König Sigmund heim. Kriemhild läßt sich am Münster eineWohnung bauen, von wo sie täglich zum Grabe des Geliebten geht.Bierthalb Jahre spricht sie kein Wort mit Günthern, und ihrenFeind Hagen sieht sie niemals. Hagen aber trachtet, daß der Nibe-lunge Hort in das Land komme. Gernot und Giselher bringen dieSchwester erst dahin, daß sie Günthern, mit Tränen, wieder grüßt;dann wird sie beredet, den Hort, ihre Morgengabe von Siegfried,herführen zu lassen. Als sie aber das Gold freigebig austeilt, fürchtetHagen den Anhang, den sie damit gewinne. Da werden ihr dieSchlüssel abgenommen, und als sie darüber klagt, versenkt Hagen denganzen Schatz im Rheine.