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Deutsches Lesebuch für höhere Lehranstalten der Schweiz / von Jakob Baechtold
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Adams erste Nacht im Paradiese.

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Nein, du kannst so mich nicht lassen wieder vergehen! Duhemmtest dann lange mein inneres Wallen zu dir, zögst mich nichtnäher in Banden der Liebe, und Finsternis wär' mir dann lieberals Licht.

Auf dich harre ich; du hörst, fühlst mich im Dunkeln, du bistallmächtig an Kraft, zu schaffen mir neues Licht!

Ich hör', ich fühle schon Wehen von dem Odem, der über michausgeht. Ach, heiliger, ewiger Gott, was siehet mein staunender Blick!

Und ich sah nun auf, siehe, hoch über mir am Himmel brachenalle Lichter hervor. Tausend und tausend in zahlloser Menge; wieKörner von des Säemanns Hand fallen, sanken die nun scharweiseüber mir hin durch die Nacht, Sterne voll Schönheit und Liebe, dieda brannten in seliger Klarheit und sandten in heiliger Ordnungihre Strahlen über die Welt. Lange staunt' ich hinauf; mich umfaßteseliges Schweigen, Taumel der Wonne, Glauben und Ruhe. Ach,mit einem Blicke wie nahe da meinem Schöpfer! Wie nahe demQuell der Liebe, aus dem mir nun alles fleußt.

. . . Wunderbeladen sank meine Stirne; aber Gott faßte michin seine Arme auf, schloß meine müden Sinne zur Ruhe. Da lagich ausgestreckt im kühlen Grase, und sanfter, erquickender Schlummerbreitete sich zum erstenmal über mich aus....

Schon hatte die Sonne ihren hohen Kreislauf begonnen, allesum mich herum mit ihren warmen Strahlen ins Leben geregt, dieBügel sangen doch wieder so liebreich über mir, die Tiere brülltenmir wieder entgegen, alles mir so fröhlich, da ich nun meine Augenausschloß. Zum zweitenmal erwachte ich jetzt, ebenso selig, noch seligerals zum erstenmal. O wie war mir alles so willkommen jetzt, mirjetzt neu wiedergegeben! Wie grüßt' ich, wie segnet' ich! O Sonne,wie jugendlich sprang ich dir wieder entgegen! Wie hing ich andeinen warmen allbelebenden Strahlen, du, die mir entwichen, michin Finsternis allein ließest, mir verloren warst! Mit welcher Kindlich-keit, mit welcher Seelenergießung, welcher Wonne, du Meer des Wohl-wollens, des Ueberflusses, des Ausflusses in Segen über die Menschen!Du, deren wohltätige Strahlen mich auch im Schlummer erquickt!Ha, ihr seid mir alle wieder da, Tiere der Erde, Tiere der Luft,Pflanzen, Stauden, Hügel, Klüfte, Ströme, Welt! Wo bleibt ihr indunkler Nacht? Ha, ihr seid mir nun wiedergegeben! Ihr seid meinwieder, ich wieder euer! Bist du wiedergekommen, Sonne? Du bistda, schöne Flamme, vom Himmel leuchtest du herunter, lieblich deinGang über Hügel und Wälder, schön über die Erde, schön übersMeer! Mein Elefant dich liebet, der Löwe gähnt zu dir, der Straußgeht aus dunkeln Schatten hervor, zu schauen dein Helles Auge.

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Bächtold, Lesebuch II.