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Deutsches Lesebuch für höhere Lehranstalten der Schweiz / von Jakob Baechtold
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74
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74 Junker Hans Jakob von, Staat auf der Gesandtschaftsreise in Paris.

Neffen, so hinter mir standen, roten runden Backen zu haben; undist nicht zu leugnen, daß selbige Knaben ein ganz ander und viel währ-schafter Aussehen hatten als die spitzen, gelben Franzosenbüblein, sodes Königs und der Königin Mutter Mantelschleppen halten mußten.

Nach gehaltenem Abschiedssermon sind uns Gesandten durch denOberceremoniarium jedem eine vierfache güldene Kette samt Medaillon,worauf des Königs und der Königin Abkontrafaktur, als Ehrengeschenkezugestellt worden, und ward eine jede dieser Ketten bei vierhundertGoldgulden an Wert geachtet. Was aber noch viel mehr als diesesPräsent mich befreuet, das ist, was mein Freund Abbe du Iar mirandern Tages hinterbrachte. Da nämlich Monsieur de Canmartin vonKönigin Regentin befraget worden, welcher von den vieren ich sei, sohabe er ihren Blick auf mich gelenket und beigefügt: ,ofus Llonsisnr6s 8taa1 stoit un stoinrns 6s stisn, un stornms 6'üonnsur st,ineorruptibls." Und durste mich dieser löblichen Epitheta um somehr befreuen, als sie aus dem Munde meines ärgsten Adversariiund früheren Mißgönners rührten.

Alsdann ist uns, den Gesandten, von den Obersten und Haupt-leuten annoch unser Neitlohn ausbezahlt worden. Und hatte derSäckelmeister Werdmüller, unserer Ambassade Haupt, sich selbsten auf800, den Gesandten von Bern aus 600, den von Freiburg aus600, meine geringe Person aber aus 400 Dublonen taxieret, lindobgleich diese den Obersten und Hauptleuten aufgehalseten Kosten mirkeineswegs gering erschienen, so wollte doch meinen Stand, den ichrepräsentierte, nicht geringer denn die andern kousidericreu lassen, undbin darauf bestanden, nicht minder honoriert zu werden, denn meineHerren Kollegen. Da habe dann zuletzt, gleich wie die übrigen,meine 600 Dublonen bekommen.

Am 2. Julii, eines Sonntags nachmittags, nachdem wir inunserer Herberge die Uerte bezahlt, auch sonsten mit jedermann ab-gemacht, sind wir endlich von Paris wieder nach Haus aufgebrochen,nämlich die Gesandtschaften von Zürich, Freiburg und Solothurn.Und ist Herr Hauptmann Bincenz Wagner von Bern noch desfernern zu Paris verblieben, da mit den Ministris annoch einenTraktat wegen Salzlieferung zu bereden und abzuschließen den Auf-trag hatte. Die Obersten und Hauptleute haben uns das Geleitewiederum bis Charenton gegeben, auch uns daselbst bestens regalieretund nochmalen ihre Dankbarkeit für zur Zufriedenheit abgeschlossenesNegotium laut dargebracht. Und hat mir insonderheit Herr OberstLudwig von Roll alte vorangegangene Feindschaft aufs ernstlichste ab-gebeten und mir sein aufrichtig Leid dafür bezeuget, was nicht ohneSatisfaktion meines Gemütes entgegennahm. ,Vgl. i, Nr.«».,