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Friede auf Erden.
und zu lauscheu, das Antlitz hob, leuchteten ihn die Sterne so mildund tröstlich an, daß ihm die Augen feucht wurden. Und mit einemMale fiel ihm ein: Heute ist der Heiland geboren. Er schaute nachdem Stand der Gestirne. Es war nm die halbe Nacht. Er nahmfein Horn und blies die zwölfte Stunde. Dann schritt er den Hügelhinab. Als er von der sternhellen Höhe in die finstere Dorfgassegetreten war, hielt er still und hub mit lauter Stimme zu singen an:
Vom Himmel hoch da komm' ich her.
Ich bring' euch gute, neue Mär,
Der guten Mär' bring' ich so viel,
Davon ich singen und sagen will.
Er wollte gerade fortfahren: „Euch ist ein Kindlein heut' gebor'n",da sah er eine hohe Gestalt die Dorsgasse heraufkommen. So hoch-gewachsen ist nur einer, jauchzte sein Herz, mein Bub! Mit raschenSchritten ging er ihm entgegen. Der Bursche kam langsam, er warbarhäuptig, die Arme über der Brust gefaltet. Im Schatten einerScheune stand er still. Halb freudig, halb verwundert, trat der Vaterihm nahe. Aber ehe er fragen mochte, rief ihm der Sohn mit leiser,fremdartiger Stimme: „Vater, holt den Pfarrer, die Altinutter kannzum Nachtmahl." Und flüsternd fügte er hinzu: „'s ist Friede!"
„Friede!" schrie der Mann und taumelte zurück. „Friede",wiederholte er, und die Tränen stürzten ihm aus den Augen, und erzitterte wie im Fieberschauer. Eine Weile stand er in sich versunkenund murmelte vor sich hin immer nur das eine Wort „Friede".Dann raffte er sich auf und ging mit großen Schritten dem Pfarr-hause zu. Des Sohnes hatte er vergessen.
Der ging langsam zurück. Oft blieb er stehn und preßte dieHände aus die Brust. Aber nach kurzer Weile ging er weiter, vor-bei am letzten Haus, wo die sterbende Großmutter lag. Zum Dorfhinaus dem Wolfsloch zu schleppte er sich. Was trieb ihn an dengrauenvollen Ort? Wollte er dem erwürgten Feinde noch einmal insverglaste, bluttriefende Auge schauen?
Derweil hatte der Nachtwächter mit der Klinge der Hellebardedie Tür des Pfarrhauses aufgebrochen. Seinem Klopfen war nichtgeöffnet worden. Man kannte dies Pochen zur Nachtzeit. Drinnenin der Stube lag der Pfarrer auf den Knieen und bat Gott um denGnadenstoß. Da rief des Nachtwächters bekannte Stimme in dieStube hinein: „Friede!" Der Pfarrer sah mit stieren Augen hin,wie wenn er nichts begriffe. „Meine Mutter will sterben. Gebt ihrdas Nachtmahl. Fried' ist im Land!" Da ward dem alten Mannedas Herz überwältigt. Er brach in seinem stimmlosen Flüsterton inSchluchzen aus. Es klang zum Erbarmen.