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Deutsches Lesebuch für höhere Lehranstalten der Schweiz / von Jakob Baechtold
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129
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Reiseskizzen.

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in der Schlacht bei Noisseville abermals zurückgeschlagen. Am 22. und27. September fanden die Ausfallgefechte bei Peltre und Mercy-le-Haut statt. Bis zur Kapitulation von Straßburg glaubte man einenAusfall nach Süden zum Entsatze dieser Festung befürchten zu müssen;allein nach dem Falle derselben war nur noch ein Ausfall gegen Thion-ville hin und damit ein Durchbruch nach der belgischen Grenze wahr-scheinlich. Ein Versuch, nach Paris zu gelangen zum Entsatze derfranzösischen Hauptstadt, wäre Wahnsinn gewesen. So fand auch derletzte Ausfall nach Norden hin am 7. Oktober bei Woippy statt, undendigte zum Unglück der Franzosen, sodaß schon bald darauf, am18. Oktober, die ersten Kapitulationsverhandlungen gewechselt wurden,die nun aber rasch abgebrochen worden sind.

Jetzt ist Metz von dem eisernen Netze der zweiten Armee um-klammert: hier bei St. Barbe bis gegen Noisseville liegt das ersteArmeekorps mit 30000 Mann; hieran anschließend auf dem kleinenFlecke zwischen Failly und Argancy das 10. Armeekorps und ver-schiedene andere Divisionen, zusammen 40000 Mann, die vereint denWeg nach Thionville verrammeln. Das Hauptquartier des Prinzenliegt in Corny, südwestlich von Metz.

Ich tat noch einen Blick auf das preußische Lager, das sich vonhier aus nach allen Himmelsrichtungen über die versumpfte Ebenehinzieht. Die Not unter den Belagerten mag nicht viel größer seinals die der Belagerer. Der Gesundheitszustand der braven preußischenTruppen ist ein trauriger; die Unfähigkeit zu einer tatkräftigen Offen-sive nagt auch moralisch aufreibend an der Armee.

Wir verlassen den Turm und betreten durch die Sakristei, diejetzt den Pferden des Generalstabes zum Stalle dient, die Kirche.Aus dem aufgeschütteten Stroh liegt die Garnison von St. Barbe,kochend, singend, schlafend. Zwischen den Kirchenstühlen sind blankeGewehrpyramiden aufgestellt; an der Kanzel hängen Pickelhauben,Trommeln, Säbel, Wehrgehänge. Vor den Altären knien Ulanenund schreiben ihre Korrespondenzkarten. Im Chor liegen französischeDeserteure aus Metz, die soeben eingesungen wurden, um ein Feuergekauert. In den Beichtstühlen sitzen die Berliner Jungens, zum Troßder Armee gehörend, und verhelfen den matten Knöpfen alter Uni-formen zu neuem Glanz. Aber vom Hochaltar herunter, vor dem dasewige Licht erloschen ist, schaut die Mutter Gottes mit dem gnaden-vollen Angesichte schier traurig über das gröbliche Getümmel hin.

Bcichlold. Lesebuch II.

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