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Deutsches Lesebuch für höhere Lehranstalten der Schweiz / von Jakob Baechtold
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167
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Teneriffa.

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28. Teneriffa.

Von Alexander von Humboldt.

Auf einer kleinen Ebene gelegen, von Gärten umringt und be-herrscht von einem Hügel, welcher mit einem Wald von Lorbeeren,Myrten und Meerkirschbäumen bekränzt ist, hat die Hauptstadt vonTeneriffa wirklich eine der lachendsten Lagen. Man würde sich irren,wenn man nach der Erzählung einiger Reisenden glaubte, sie liege andem Ufer eines Sees. Die Regenwasser bilden von Zeit zu Zeiteinen ausgedehnten Sumpf, und der Geologe, der überall mehr denvergangenen als den gegenwärtigen Zustand der Natur erblickt, kaunkeinen Zweifel hegen, daß jene Ebene ein großes ausgetrocknetesBassin sei. Die Stadt ist von einer großen Anzahl Windmühlenumgeben, welche den Anbau des Getreides in diesen Hähern Gegendenverkündigen. Eine Menge Kapellen, welche die Spanier Ermitasnennen, umkränzen die Stadt Laguna. Beschattet von immergrünenBäumen und auf kleine Erhöhungen gebaut, verstärken die Kapellenhier, wie überall, die malerische Wirkung der Landschaft. Das Innereder Stadt entspricht nicht ihrem Aeußern. Die Häuser sind von einerfesten, aber sehr alten Bauart, und die Straßen erscheinen verödet.Ein Botaniker darf sich über das Alter der Gebäude nicht beklagen.Die Dächer und die Mauern sind mit Lolnporvivuni Oanarisimo undmit jener schönen Trioiiomanos bedeckt, von welcher alle Reisendengesprochen haben; häufige Nebel ernähren diese Pflanze.

Teneriffa, gleichsam am Eingänge der Tropen gelegen, nimmt,obgleich nur um einige Schiffs-Tagereisen von Spanien entfernt, anden Schönheiten teil, welche die Natur in den Aequinoktial-Ländernverschwendet hat. Die Vegetation entwickelt hier schon einige ihrerschönsten und imposantesten Formen, jene der Bananen und Palmen.Der für die Schönheiten der Natur empfängliche Mensch findet aufdieser herrlichen Insel noch mächtigere Hilfsmittel als das Klima.Kein Aufenthalt scheint mir geeigneter, die Schwermut zu verscheuchenund einem schmerzhaft ergriffenen Gemüt seinen Frieden wieder zugeben, als der von Teneriffa. Diese Vorteile sind nicht bloß dieWirkung der schönen Lage und der reinen Luft; man verdankt sienoch besonders der Abwesenheit der Sklaverei, deren Anblick in beidenIndien und überall so empörend ist, wo die europäischen Kolonistendas hingebracht haben, was sie ihre Aufklärung und ihre Industrienennen.

Die Nachbarschaft des Meeres macht Laguna im Winter ge-mäßigter, als es nach seiner Erhöhung über die Oberfläche des Ozeanssein sollte. Ich war fast erstaunt zu hören, daß mitten in dieser