Teneriffa.
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tation beraubten Strecken machen; wir sahen die Pflanzen nach Zonengeordnet, je nachdem die Wärme der Atmosphäre mit der Höhe derLage abnimmt. Unter dem Piton beginnen Lichenen die verschlacktenund auf der Oberfläche glänzenden Laven zu bedecken; eine Veilchen-art erhebt sich auf dem Abhang des Vulkans bis auf 1740 ToisenHöhe; sie steigt nicht nur höher als die andern krautartigen Pflanzen,sondern auch als die Gräser, welche auf den Alpen und auf demRücken der Kordilleren unmittelbar die kryptogamischen Pflanzen be-rühren. Büschel von Retama, mit Blumen beladen, zieren die kleinenTäler, welche die Bergströme gegraben haben, wenn sie in ihrem Ab-fluß gehemmt und durch die Wirkungen der Seitenausbrüche geschlossenwaren; unter der Retama kommt die Region der Farnkräuter, be-grenzt durch die der baumartigen Heiden. Wälder von Lorbeeren,von Rhamnus und von Erdbeerbäumen trennen die Heiden von denmit Reben und Fruchtbäumen bepflanzten Abhängen. Ein reicherTeppich von Grün erstreckt sich von der Ebene der Pfriemen und vonder Zone der Alpenpflanzen bis zu den Gruppen von Datteln undMusa, deren Fuß der Ozean zu bespülen scheint.
Die scheinbare Nähe, in welcher man von dem Gipfel des Piksdie Dörfer, die Weinberge und die Gärten der Küste sieht, wird durchdie außerordentliche Durchsichtigkeit der Atmosphäre vermehrt. Trotzder großen Entfernung unterschieden wir nicht nur die Häuser, dasSegelwerk der Schiffe und die Stämme der Bäume, wir sahen auchin sehr lebhaften Farben die reiche Vegetation der Ebenen prangen.Diese Erscheinungen sind nicht bloß eine Folge der Höhe der Gegend,sie beweisen besondere Modifikationen der Luft in den warmen Klimaten.In allen Zonen erscheint ein Gegenstand, welcher sich an der Ober-fläche des Meeres befindet und sein Licht in horizontaler Richtungausströmt, weniger hell, als wenn man ihn von der Spitze einesBerges sieht, wo die Dünste durch Luftschichten von abnehmenderDichtigkeit ankommen. Ebenso ausfallende Unterschiede werden durchden Einfluß der Klimate hervorgebracht; die Oberfläche eines Seesoder eines breiten Flusses glänzt weniger, wenn man sie bei gleicherEntfernung von dem Gipfel der hohen Schweizeralpen, als wennman sie von dem hohen Gipfel der Kordilleren von Peru oder vonMexiko sieht. Je reiner und heiterer die Luft ist, desto vollkommenerist die Auflösung der Dünste, und desto weniger wird das Licht beiseinem Durchgänge geschwächt. Wenn man von der Seite der Südseeauf der Gebirgsplatte von Quito oder von Antisana ankommt, so istman in den ersten Tagen über die Nähe betreten, in welcher manauf sieben und acht Meilen entfernte Gegenstände zu sehen glaubt.Der Pik von Teyde hat nicht den Vorteil, unter den Tropen gelegen