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Deutsches Lesebuch für höhere Lehranstalten der Schweiz / von Jakob Baechtold
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Das Bauernbrot im Emmental.

Brot herunterzuschneiden und aus der Tasche z'mürpfe" den ganzenTag, alt gewordene Reste aber liegen zu lassen, wo's sein mochte.Das Söhnchen bekamder Haber i Chopf", und selbst bei Mutternstand es endlich fest: Der muß fort, anderes Brot essen, muß sichden Brotkorb höher hängen lassen;mi mues ihm der Ringgen y-thue". Der Sohn entwich, und die Not begann. Hätte er eine bloßeAhnung gehabt,wo's Brot har chunnt!" AberMues u Brotverdiene", welch hartesMuß" für den Arbeitsscheuen! Es kamendie Tage des Bettelbrots, des Uebernachtens in Stall und Tenne.Zum Glück redete ihm kein abgefeimter Wandergeselle aus, wie guttroches Brot sei. Wie ein unverzogenes Kind freute er sich darüber.Und als er an einem Winterabend, matt und frierend, für einBitzliBrot", über die Türschwelle gereicht, mit vibrierender Stimme undeinem besonders warmenVergelt's Gott" dankte, drang es derBäuerin ans Herz. Sie leuchtete einen Augenblick mit der Laterneihm ins Antlitz und hieß ihn in die Stube kommen. Eben war

der Tisch besetzt. Mächtige Kacheln voll heißer Milch (man verkäsete

sie auf jenem Berggelände im Winter nicht) mit eingeschnittenemBauernbrot, also Milchbrochche, luden die Großen zum geschätztenMabl. Die drei Kleinen aber löffelten bereits ihr Milchbröcheliaus ihren Kindertassen vor zeitigem Bettgang. Der Bursche in seinendünnen Kleidchen erhielt sein reichlich Teil in der warmen Ofenecke.Nach Essen, Tischgebet und Gemüserüsten pflegte der Bauer im Winterseinen Leuten aus der Zeitung oder einem Buche interessante Stellenvorzulesen. Selben Abend warJakobs des Handwerksgesellen Wande-rungen" von Gotthelf an der Reihe. Eben ertönten mit der ge-messenen Feierlichkeit eines vorlesenden Bauers die Worte:Brot

schänden und Arbeit verachten, das sind zwei Dinge, welche sich schwerrächen früher oder später .. . ." Da ließ sich von der Ofenecke herein Gestöhn vernehmen. Man schaute hin und sah eine Hand ver-stohlen über das Gesicht fahren. Die Frau fing ihres Mannes Blickauf, das Lesen geriet ins Stocken. Das Volk entfernte sich; vorBauer und Bäuerin mußte der Bursche erzählen. Das Ende war:Kannst uns dreschen, Holz zurichten, Garbenbänder machen helfen.

Welche Mühe der der Arbeit Ungewohnte sich gab! Wie der Bauerjetzt ihn schonte, jetzt ihm ermunternd zuredete. Und wie ihm dieSuppe schmeckte mit den nicht gesparten Brotstücken! Wie im schneeigenWald der Käse zum gefrornen Brot, das schon Bauernkinder sollenessen können, umz'grächtem z'wachse!" Wie am Sonntag abend dieBrotröösti, im Sommer sogar mit Eiern! Wie an derFleglete"die Brotschnitten, in siedender Butter gebacken! Und wie freundlichneckend streckten dem Gesättigten die muntern Kleinen ihr Butterbrot