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Hannibals Zug über die Alpen.
in der Ebene angelangt, überfiel Hannibal sofort die nächste Stadt,um die Barbaren zu züchtigen und zu schrecken und zugleich seinenVerlust an Saumtieren und Pferden möglichst wieder zu ersetzen.Nach einem Rasttag in dem anmutigen Tal von Chambäry setzte dieArmee an der Jssre hinauf ihren Marsch fort, ohne in dem breitenund reichen Grund durch Mangel oder Angriffe aufgehalten zuwerden. Erst als man am vierten Tage eintrat in das Gebiet derCeutronen (die heutige Tarantaise), wo allmählich das Tal sich verengt,hatte man wiederum mehr Veranlassung auf seiner Hut zu sein. DieCeutronen empfingen das Heer an der Landesgrenze (etwa bei Con-flans) mit Zweigen und Kränzen, stellten Schlachtvieh, Führer undGeiseln, und wie durch Freundesland zog man durch ihr Gebiet. Alsjedoch die Truppen unmittelbar am Fuß der Alpen angelangt waren,da wo der Weg die Jssre verläßt und durch ein enges und schwierigesDefils an dem Bach Reclus hinauf sich zu dem Gipfel des Bern-hard emporwindet, erschien auf einmal die Landwehr der Ceutronenteils im Rücken der Armee, teils aus den rechts und links den Paßeinschließenden Bergrändern, in der Hoffnung, den Troß und dasGepäck abzuschneiden. Allein Hannibal, dessen sicherer Takt in alljenem Entgegenkommen der Ceutronen nichts gesehen hatte als dieAbsicht, zugleich Schonung ihres Gebiets und die reiche Beute zugewinnen, hatte in Erwartung eines solchen Angriffs den Troß unddie Reiterei vorausgeschickt und deckte den Marsch mit dem gesamtenFußvolk, wodurch er die Absicht der Feinde vereitelte, obwohl er nichtverhindern konnte, daß sie, aus den Bergabhängen den Marsch desFußvolks begleitend, ihm durch geschleuderte oder herabgerollte Steinesehr beträchtlichen Verlust zufügten. An dem „weißen Stein" (nochjetzt 1a roolls lllanells), einem hohen, am Fuße des Bernhard einzelnstehenden und den Ausweg aus denselben beherrschenden Kreidefels,lagerte Hannibal mit seinem Fußvolk, den Abzug der die ganze Nachthindurch mühsam hinaufklimmenden Pferde und Saumtiere zu decken,und erreichte unter beständigen, sehr blutigen Gefechten endlich amfolgenden Tage die Paßhöhe.
Hier auf der geschützten Hochebene, die sich um einen kleinen See,die Quelle der Doria, in einer Ausdehnung von etwa 2^/g Miglienausbreitet, ließ er die Arinee rasten. Die Entmutigung hatte an-gefangen, sich der Gemüter der Soldaten zu bemächtigen. Dieimmer schwieriger werdenden Wege, die zu Ende gehenden Vorräte,die Defilsenmärsche unter beständigen Angriffen des unerreichbarenFeindes, die arg gelichteten Reihen, die hoffnungslose Lage der Ver-sprengten und Verwundeten, das nur der Begeisterung des Führersund seiner Nächsten nicht chimärisch erscheinende Ziel fingen an, auch