234
Briefe.
100000 Mann und einen Kaiser. Heut früh ging letztrer mit allenseinen Hofleuten, Pferden und Wagen nach Wilhelmshöh bei Kasselab. (3. 9. 70.)
IV.
Der Schweizerische Bundesrat an Arnold Börklinzu seinem I-XX. Geburtstage.
Die Freude, daß Sie in fortgesetzter Ausübung hoher Meister-schaft edler Kunst das siebzigste Jahr erreicht haben und als glücklichans Ziel Gelangter dastehen im vollen Sonnenglanze eines Ruhmes,der weit über die helvetische Grenzmark hinausstrahlt; diese Freudewird nicht zum wenigsten auch von der Behörde geteilt, der es ge-stattet ist, bei solchem seltenen Anlasse im Namen des ganzen schweize-rischen Vaterlandes zu sprechen.
Mag Ihre Kunst, in der die Natur so wundersam Seele ge-wonnen hat, immerhin der ganzen Welt angehören und von denVölkern des Auslandes Ihnen frohe Huldigung dargebracht werden— wir können und wollen es nicht vergessen, daß Sie ein Sohnunseres Landes sind und bleiben und daß Sie dies namentlich durchden stolzen Unabhängigkeitssinn bekundet haben, der Sie in Zeiten, alsIhre neuartige Kunstausübung fast allgemein mißverstanden wurde,ruhig und zuversichtlich Ihren eigenen Weg gehen ließ. Diese un-bekümmerte furchtlose Mannestugend, wie sehr sie auch in IhrerPersönlichkeit wurzelt, ist zugleich die wünschenswerteste Eigenschaftdes wahren Republikaners. Tausend schlichten Bürgern, deren Namenicht genannt wird, ist sie ebenfalls eigen. Aber indem sie in Ihnenmit dem glücklichen Genius eines großen Künstlers sich verband, istsie zum glänzenden Beispiel geworden.
Wir danken Ihnen dafür, hochverehrter Meister, wie für alles,was Sie zur Freude der Menschen und zum Stolz ihres Vater-landes hervorgebracht haben.
Möge dem mit so reichen Früchten gesegneten Herbst IhresLebens noch lange eine freundliche Sonne leuchten!
^ 8 --^-