Aus Homers Jlias.
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56. Aus Homers Jlias.
Uebersetzt von Johann Heinrich Voß.
I.
Hektars Abschied.
— — Dieses gesagt, enteilte der helmumflatterte Hektor.
Bald erreicht' er darauf die wohlgebauete Wohnung.
Doch nicht fand er die schöne Andromache dort in den Kammern;Sondern zugleich mit dem Kind und der Dienerin, schönes Gewandes,5 Stand sie annoch auf dem Turm und jammerte, seufzend und
weinend.
Als nun Hektor daheim nicht fand die untadlige Gattin,
Trat er zur Schwelle hinan und rief den Mägden des Hauses:
„Aus, wohlan, ihr Mägde, verkündet schnell mir die Wahrheit!Wohin ging die schöne Andromache aus dem Palaste?
10 Ob sie zu Schwestern des Manns, ob zu stattlichen Frauen der
Schwäger,
Oder zum Haus Athenens sie eilete, wo auch die andernLockigen Troerinnen die schreckliche Göttin versöhnen?"
Ihm antwortete drauf die emsige Schasfnerin also:
„Hektor, weil du gebeutst, die Wahrheit dir zu verkünden,
15 Nicht zu Schwestern des Manns, noch zu stattlichen Frauen der
Schwäger
Oder zum Haus Athenens enteilte sie, wo auch die andernLockigen Troerinnen die schreckliche Göttin versöhnen;
Sondern den Turm erstieg sie von Jlios, weil sie gehöret,
Daß der Achaier Macht siegreich die Troer bestürme.
20 Eben geht sie hinaus mit eilendem Schritte zur Mauer,
Einer Rasenden gleich, und die Wärterin trägt ihr das Kind nach."
Also sprach zu Hektor die Schasfnerin; schnell aus der WohnungEilt' er den Weg zurück durch die wohlgebaueten Gassen.
Als er das Mische Tor, die gewaltige Feste durchwandelnd,
25 Ietzo erreicht, wo hinaus sein Weg ihn führt' ins Gefilde,
Kam die reiche Gemahlin Andromache eilenden LaufesGegen ihn her, des edlen Eötion blühende Tochter;
Denn Eötion wohnt' am waldigen Hange des Plakos,
In der plakischen Thebe, Kilikiens Männer beherrschend,
50 Und er vermählte die Tochter dem erzumschimmerten Hektor.
Diese begegnet' ihm jetzt; die Dienerin aber, ihr folgend,
Trug an der Brust das zarte, noch ganz unmündige Knäblein,Hektors einzigen Sohn, dem schimmernden Sterne vergleichbar.