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Deutsches Lesebuch für höhere Lehranstalten der Schweiz / von Jakob Baechtold
Entstehung
Seite
437
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Aus dem Festakt zur Enthüllung des Telldenkmals.

Blüten gebrochen für den Freiheitshut.

Dem Kopfe gibst du kühl das Herz zum Raub;Mehr als Gesang gilt dir das dürre Wort;

Doch nie gelingen wird's dir, auszumerzenDen Tellenglauben aus des Volkes Herzen.

Geschichte

(auf ihr Buch deutend).

In diese Blätter soll kein Trug sich schwärzen!Dem Glauben laß ich, was des Glaubens ist,

Doch wehr ich ihm, wenn er das Wissen frißt,

Zu ungestümem Drang die Menge bläht,

Daß sie die Saat zertritt, die ich gesät.

Sage.

Was du gesät, ist Zweifel, der die TatErwürgt, wie Unkraut Weizen. Wer an GroßesNie hat geglaubt, der wirkt auch Großes nicht.Unwissend blüht die Ros' auf Sommerflur,Geheimnis weht aus ihrer Düfte Spur;

Du leugnest nicht den Frühling, den du schaust,

Und weißt doch nicht, woher sein Odem braust.

Der Nacht entsprungen steht der Sterne HeerAls lichter Führer über dunkeln, Meer.

Sie wandeln sicher, deinem Greifen fern;

Du mußt sie glauben, und du tust es gern.

Aus Erdengründen springt der klare Quell;

Wer steigt hinab zu seines Ursprungs Schwell?

Er läßt die Täler blühn zur Frühlingsfrist,

Und was befruchtet, fragt nicht, ob er ist.

Was lang ein Volk geglaubt, das ist ihm wahr,

Ein Steuer ist's ihm in des Sturms Gefahr;

Weh dein Vermessenen, der das Steuer bricht,

Ihm Güter raubt und gibt ihm beßre nicht!

Geschichte.

Was tiefer Forschung Grubenlicht erschlossenDem mitternächt'gen Blick: Der Vorzeit Kunde,Gereiniget von allen Märchenglossen,

Das machst du mir nicht klein mit großem Munde.Der Nebel steigt und will das Licht gefährden;

Die Zeit ist trüb, es wächst der Wahn auf Erden;Ich walt' des Amts: er muß zertrümmert werden.