442 Aus dem Festakt zur Enthüllung des Telldcnkmals.
Sage.
Ihn, der versöhnte Sage und Geschichte,
Ruf ich herbei, daß er den Streit uns schlichte.
Ich blick' hinan zu einer Hähern Bahn,
Des Dichters Zeugnis ruf ich flehend an.
Um Freiheit rang er mit des Leibes Not,
Ein Göttlicher aus sterblichem Geschlechte;
Er schwebte über Tag und Abendrot,
Hob aus der Nacht zertretne Menschenrechte;
Sein Geistespfeil hat oft dem Vogt gedroht;
Vor ihm erbebte das Gemeine, Schlechte;
Und als sein Herz in letzten Gluten loht' —
Sang er vom Tell! Dem schlichten Mann er botDen sonnigsten aus seines Sangs Geflechte.
Er sang's und starb, und lichte SchicksalsmächteDrückten den Kranz ihm auf, den er gewundenDem Freigenossen, nun im Tod gefunden. —
Du Heimgegangner zu der Ew'gen Schar,
Schiller, du Held, bezeuge, daß er war!
Schillers Geist
(entfernt, dumpf singend).
In Wolken geborgen,
Zum ewigen Morgen
Ringt sich empor der unendliche Geist.
Dem Leibe entwachsen,
Erschaut er die Achsen,
Um welche der Schöpfung Getriebe kreist.
Wer ruft mich zur Erde,
Wo dumpfe Beschwerde
Mutter und Kinder mit Ketten umschmeißt?
Sie ringen und dringenDoch nie zum Vollbringen,
Bis Tod, der Erlöser, die Fesseln zerreißt.
Gesang des Volkes.
Hoher Sänger, aus den BahnenStarker Ahnen steig herab!
Freudig flattern FreiheitsfahnenUnd der Tell verläßt sein Grab.
Sieh im See den Denkstein funkeln,
Den ein Volk dir aufgestellt.