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Weltgeschichte für Sekundar-, Bezirks- und Realschulen in methodischer Anordnung / von Rudolf Luginbühl
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XIV. Karl der Große. 768814.

Mohammeds Nachfolger. a.) Mohammed hinterließ eine Tochter,die an den tapfern und treuen Ali verheiratet war; doch wurde nicht dieser Kalif,d. i. Nachfolger, sondern Abu Bekr, der Vater von Mohammeds ränkevollcmWeibe Ai'scha. Er brachte viele arabische Stämme, die sich bei der Kunde von desPropheten Tod losgesagt hatten, mit Waffengewalt zum Gehorsam zurück. UnterAbn Bekrs kriegerischem Nachfolger Omar ward Syrien, Palästina, Phönizien undÄgypten erobert und damit der Grund zur Weltherrschaft des Islams gelegt. SpätereKalifen unterwarfen das große Perscrreich, Kleinasien, Nordafrika und die Balkan-halbinsel. d) Der Untcrfeldherr Tarik, zu Hilfe gerufen von den verjagtenPrinzen des wcstgotischen Königs, überschritt die Meerenge von Gibraltar undbesiegte im Jahre 711 bei Acres in Andalusien den Throurüubcr Roderich. Dochkehrte er nicht nach Afrika zurück, sondern begründete in Spanien ein großes Reich.Die Mauren, wie die Muselmänner in Spanien und Nordafrika hießen, trieben dieWestgoten in die asturischcn Berge hinauf. Als sie die Pyrenäen überschritten,wurden sie von den Franken in der mörderischen Schlacht bei Poitiers gänzlichgeschlagen und nach Spanien zurückgedrängt. Doch blieben die Mohammedaner fürdie christlichen Staaten im Ost und West eine beständige Gefahr. o) Sie ver-legten den Hauptsitz von Mekka nach Damaskus und später nach Bagdad.Jahrhunderte lang gab es unter den Mohammedanern die besten Architekten, welchedie schönsten Bauten erstellten. In Cordova, Granada u. a. O. sind noch jetztbewunderungswürdige Zeugen ihrer Baukunst. Auch verdanken wir ihnen unsereZiffern.

XIV. Karl der Große.

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Pipin der Kurze. 751. n) Unter den Nachfolgern Chlodwigs zerfieldie Macht des fränkischen Herrscherhauses; denn die beständigen Reichsteilungen unddie zunehmende Unsittlichkeit beraubten es alles Ansehens. Der König ging demVergnügen nach und überließ die Regierungsgeschüfte dem sogenanntenHansmeier,"der auch zugleich die königlichen Güter verwaltete. Jährlich einmal erschien derKönig auf einem von Rindern gezogenen Wagen vor dem Volke, d. i. der Reichs-versammlung, nur von ihm die Geschenke in Empfang zu nehmen. t>) Als nunPipin der Kurze, ein kleiner Blaun von riesenhafter Stärke, HauSmcier wurde,wollte er nicht bloß, wie sein Vorgänger, die Mühe und Macht, sondern auch denTitel des Königs haben. Er schrieb deshalb an den Papst:Sprich, o Vater derChristenheit, wer soll König der Franken sein: der, welcher müßig zu Hause sitzt,oder der, welcher die Mühen und Gefahren der Regierung trägt?" Jener antworteteihm:Nur der, welcher die Last trägt." 751 ward Pipin in einer großen Rcichs-versammlung nach altgcrmanischcr Sitte auf den Schild gehoben, dreimal feierlichherumgetragen und dann auf den Thron gesetzt. Hierauf ließ er sich von demGesandten des Papstes zum König salben. Den bisherigen König schickte er insKloster, wo ihm die Mönche die langen Haare abschnitten. e) Drei Jahre späterkam der Papst hilfesuchend nach Frankreich, wiederholte die Salbung und weihte dieSöhne Pipins zu Nachfolgern. Der Papst verlangte dafür einen Gegendienst. Erwar bedroht vom König der Langobarden. Pipin besiegte diesen und zwangihn zur Abtretung einzelner Gebiete. Er beschenkte damit 754 den Papst und legtedadurch den Grund znm Kirchenstaate. Von da an bis 1870 war der Papst nichtbloß geistlicher, sondern auch weltlicher Herrscher.

1. Karls Kriege. ri) Der ruhmreichste und gewaltigsteFürst nicht allein der Franken, sondern des ganzen Abendlandes währendder Zeit des Mittelalters war Karl der Große, der Sohn Pipins.