XIV. Karl der Große. 768—814.
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Er faßte den großartigen Plan, alle deutschen Stämme unter sich zuvereinigen und das altrömifche Kaiserreich wieder aufzurichten. — 1») Dieschwersten Kämpfe hatte er gegen die Sachsen zu bestehen; denn siehingen mit Zähigkeit an ihrer Freiheit; auch waren sie von allen deut-schen Stämmen die einzigen, die sich zu jener Zeit noch nicht zum Christen-tum bekannten. Auf der Reichsversammlung zu Worms ward 772 derKrieg gegen sie beschlossen. Karl brach mit mächtigem Heere in ihr Landein und zerstörte ihre Heiligtümer und Wallburgen. Der tapfere Sachsen-herzog Widukind, der jede offene Schlacht sorgfältig mied, mußte überdie Weser zurückweichen. Kaum war Karl zurückgekehrt, so erhoben sichdie Sachsen aufs neue und zerstörten seine Einrichtungen. Karl führtewieder ein Heer gegen sie, worauf sie sich unterwarfen, aber nur, uin beider nächsten Gelegenheit wieder abzufallen. Endlich ließ sich Widukindtaufen und mit ihm traten die meisten Sachsen zum Christentum über.Nach achtjähriger Ruhe erhoben sich die östlichen Sachsenstämme aufsneue. Karl dämpfte den Aufstand; noch oft mußte er gegen sie ziehen.Da griff er zu einem andern Mittel. Er ließ zu wiederholten Malentaufende sächsischer Familien in fränkisches Gebiet versetzen und zwangFranken, sich in Sachsen niederzulassen. Nach beinahe dreißigjährigemKampfe legten sie ihre Waffen nieder und fügten sich der fränkischenOberherrschaft. — e) Karl vernichtete das Reich der Langobarden inOberitalien; aber mit wenig Erfolg focht er in Spanien. Auf dem Rück-wege wurde seine mit Beute beladene Nachhut im Thale Roucesvallesin den nordwestlichen Pyrenäen überfallen und vernichtet. Die vortreff-lichsten Helden Karls, unter ihnen Roland, kamen dabei ums Leben.Karl besiegte auch den aufrührerischen Herzog der Bayern und derenöstliche Nachbarn, die Avaren. Im Norden schlug er die Dänenwiederholt und erweiterte sein Reich bis an die Eider.
2. KaiserKvönuNjZ. 800. — «0 Der schwer bedrängtePapst bat Karl um Hilfe; dieser erschien in Rom und beschützte ihn.Am Weihnachtsfeste wohnte der König dem Gottesdienste in der Peters-kirche bei. Als er zum Gebet am Altar niederkniete, kam der Papst undsetzte ihm eine goldene Kaiserkrone auf. Dabei brach das ganze Volkdreimal in den Jubelruf aus: „Leben und Sieg dem von Gott gekrönten,großen, friedfertigen Kaiser der Römer, Karolus Augustus!" Der Papstwarf sich hierauf dem germanischen Fürsten zu Füßen und huldigte ihm.— d) Dadurch lebte das römische Kaisertum im Jahre 800 wieder auf;es bestand bis 1806. Doch waren es nicht romanische, sondern meistgermanische Völker, welche der Kaiser beherrschte. Jetzt noch mehr alsfrüher galt Karl als Beschützer der abendländischen Kirche. AlleFranken, die das 12. Altersjahr überschritten hatten, mußten ihm durchdie Sendboten den Huldigungseid leisten.
3. Reiciisveoirrttltirng, Krvche. — a) Wohl ist Karlals Kriegsheld groß; doch ist er als Gesetzgeber und Verwalter seines