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Weltgeschichte für Sekundar-, Bezirks- und Realschulen in methodischer Anordnung / von Rudolf Luginbühl
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XXIV. Christoph Kolumbus. 1792.

2. ilUerfahrt. ri) Mit 124 Mann auf drei kleinenSchiffen segelte Kolumbus am .T August von Pülos, einem Hafen inAndalusien, ab. Die Leute schüttelten die Köpfe; denn sie hielten ihnfür einen Narren oder zum wenigsten für einen tollkühnen Menschen. Erfuhr nach Südwesten. Schon am dritten Tage zerbrach das Steuer-ruder eines Schiffes, wahrscheinlich durch die Böswilligkeit eines Matrosen,der damit die Rückfahrt erzwingen wollte. Kolumbus ließ auf einer derkanarischen Inseln anhalten und das Schiff wieder flott machen. Dabeiverstrichen mehrere Wochen. 1) Als er hörte, daß portugiesische Schiffeihm nachstellten, gab er sogleich das Zeichen zur Abfahrt. Es war am9. September 1492. Wie nun die Schiffe das offene Meer gewannenund in die ganz unbekannte Wasserwüste hinausstenerten, da beschließ fastalle Matrosen ein beängstigendes Gefühl. Im Bereiche der Passatwinde angekommen, wurden sie unaufhaltsam nach Westen getrieben. Vielejammerten, daß sie jetzt dieses Windes wegen ihr Vaterland nie mehrsehen würden. Als dann nach einigen Tagen wieder Windstille eintrat,faßten sie neuen Mut, denn jetzt durften sie hoffen, einst auch wieder um-zukehren. Gegenstand neuer Besorgnisse waren die Seepflanzen, die denLaus der Schiffe hinderten; doch nicht lange, so ging die Fahrt wiederruhig von statten. Unverwandt blickten alle nach Westen; denn dem erstenEntdecker war eine lebenslängliche Rente zugesichert. Mehr als einmalkrachte ein Schuß oder ertönte der Ruf Land! Land! allein es warimmer Täuschung; was man als Land angesehen, war nur eine Wolkegewesen. Laut murrten die Soldaten. v) Am 10. Oktober mehrtensich die Anzeichen nahen Landes. Frische Pflanzen mit Beeren, Äste,die kurz vorher von ihren Stämmen getrennt sein mußten, ein Rohr, einBrett und ein künstlich geschnitzter Stab waren untrügliche Beweise,daß man sich in der Nähe des Landes befand. Die Mannschaft warin der größten Spannung und in der freudigsten Hoffnung.

3. Entdeckung und Rückfahrt. r>) Endlich am12. Oktober 1492, morgens 2 Uhr, ertönte ein Schuß und der RufLand! Land! Diesmal war's keine Täuschung. Trotz der Nacht konnteman etwa 5 Irm. vor sich einen Streifen Landes unterscheiden. Alle fieleneinander in die Arme, weinten vor Frende und stimmten das Lied an:HerrGott, dich loben wir!" Wie der Morgen graute, zeigte sich dem freudetrun-kenen Auge eine schöne, grüne Insel. Guanah nni hieß sie bei den Einge-bornen, Salvädor, d.i. Erlöserinsel, nannte sie später Kolumbus. Sie gehörtzu den Bahamainseln. Kolumbus hieß nun die Bote aussetzen und ans Uferfahren. Er war der erste, der ans Land stieg und es feierlich für den Königvon Spanien in Besitz nahm. Seine Gefährten fielen zur Erde undküßten die heißerschnte mit Inbrunst; dann drängten sie sich um denEntdecker und konnten ihm nicht genug danken und ihn ihres Gehorsamsversichern. d) Die nackten, kupferfarbenen Einwohner waren zuersthinter die Bäume geflohen; denn die Segelschiffe hielten sie für Meer-